Einer der Redakteure des von der Deutschen Bischofskonferenz erstellten Leitfadens zur Regelung von Segnungen homosexueller Paare hat auf die vom Vatikan geäußerten Kritiken reagiert und den Inhalt des Dokuments verteidigt. Er betonte, dass er einen Großteil der von Rom vorgebrachten Einwände nur schwer nachvollziehen könne.
Laut einem Interview mit Katholisch.de ist Stefan Diefenbach, ehemaliger Priester und Mitautor des Leitfadens Der Segen stärkt die Liebe, der Ansicht, dass die Äußerungen von Papst Leo XIV. und des Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre, Kardinal Víctor Manuel Fernández, den Inhalt des in Deutschland verabschiedeten Textes nicht angemessen widerspiegeln.
„Letztlich ist es wie der Versuch, einen Kreis zu quadrieren, und wir wussten, dass wir auf Widerstand von allen Seiten stoßen könnten“, erklärte Diefenbach mit Blick auf den Versuch, die vom deutschen Synodalen Weg getroffenen Entscheidungen mit den Vorgaben der vatikanischen Erklärung Fiducia supplicans in Einklang zu bringen.
Ein Dokument, das nach den Einwänden des Vatikans angepasst wurde
Während des Interviews räumte Diefenbach ein, dass der Text nach den Gesprächen mit Rom überarbeitet wurde. Zu den vorgenommenen Änderungen gehört die wiederholte Streichung des Ausdrucks „Segnungsfeier“, eine Formulierung, die im Vatikan auf Bedenken stieß.
„Wir haben den Ausdruck ‚Segnungsfeier‘ an vielen Stellen entfernt, weil es offenbar ein Wort ist, das im Vatikan alle Alarmglocken läutet, und wir wollten nicht, dass der gesamte Text an einem einzigen Wort scheitert“, erläuterte er.
Der ehemalige Priester wies zudem darauf hin, dass ein Vorschlag für eine ausführlichere rituelle Struktur, der in den ersten Entwürfen des Dokuments enthalten war, gestrichen wurde.
Trotz dieser Änderungen vertritt er die Auffassung, dass der wesentliche Inhalt des Leitfadens unverändert geblieben ist und weiterhin den pastoralen Ansatz widerspiegelt, der vom deutschen Synodalen Weg gebilligt wurde.
Die unterschiedlichen Auffassungen zur Form der Segenspendung
Während Kardinal Fernández betont hat, dass die Segnungen spontan, kurz und frei von jeder liturgischen Anmutung sein sollten, sehen die deutschen Leitlinien Vorgespräche mit dem Paar vor, um die Feier vorzubereiten, biblische Lesungen, Gebete und Musik auszuwählen.
Diefenbach verteidigte diesen Ansatz mit dem Argument, dass Paare, die um einen Segen bitten, mehr als eine spontane Geste erwarten.
„Paare wollen nicht, dass ihnen einfach irgendetwas zugeschoben wird“, erklärte er und fügte hinzu, dass eine Segnung Vorbereitung und pastorale Begleitung erfordere.
„Die Pastoral muss voranschreiten“
Darüber hinaus kritisierte Diefenbach eine seiner Ansicht nach allzu starre Anwendung der kirchlichen Lehre und betonte, dass die pastorale Erfahrung eine entscheidende Rolle bei der künftigen Entwicklung der Kirche spielen müsse.
„Die Forderung, dass alles stets mit Lehre und Tradition übereinstimmen muss, ist ein wenig kalt“, führte er aus.
Und er fügte hinzu:
„Manchmal muss die Pastoral auch voranschreiten und neue Wege erkunden; die Lehre kommt danach.“
Er hofft auf einen Dialog zwischen Deutschland und Rom
Diefenbach äußerte zudem die Hoffnung, dass die deutschen Bischöfe in den bevorstehenden Gesprächen mit dem Heiligen Stuhl an der vom Synodalen Weg beschlossenen Position festhalten.
„Ich hoffe, dass die Bischöfe die getroffene Entscheidung unterstützen und an ihren Überzeugungen festhalten“, erklärte er.
Der ehemalige Priester bewertete auch die jüngsten Signale einer Dialogbereitschaft seitens des vatikanischen Staatssekretärs, Kardinal Pietro Parolin, positiv und vertraut darauf, dass die künftigen Gespräche zwischen Rom und der Kirche in Deutschland dazu beitragen, die bestehenden Differenzen in dieser Frage anzugehen.