Von Steven Jonathan Rummelsburg
Wenn ich in meinen Klassen frage: „Was ist eine Katze?“, lautet die Antwort unweigerlich: „Das, was jemand sagt, dass es ist“. Noch vor nicht allzu langer Zeit wusste jeder Schüler der ersten Sekundarstufe, was eine Katze ist. Nun ist diese Gewissheit in der Subjektivität verdampft. Doch nach einigen Monaten logischer Unterweisung ereignet sich eine Art Massenerwachen: Die Klasse entdeckt, dass „die Wahrheit nicht der Konsens ist, sondern die Übereinstimmung des Verstandes mit der Wirklichkeit“. Dieser Moment ist ein Aufblitzen dessen, was unsere katholische Tradition über die Sprache lehrt, und dessen, was auf dem Spiel steht, wenn die Worte ihren Halt in der Wirklichkeit verlieren.
„Katze“ ist nicht der ewig richtige Laut für den mausjagenden, scharfkraligen Schnurrer, der in der Ecke zusammengerollt liegt. Ebenso wenig ist es ein willkürliches Geräusch, unendlich formbar, bestimmt von unseren Wünschen und unserer Zustimmung. Irgendwo zwischen diesen beiden Fehlern – dem einen durch Übermaß, dem anderen durch Mangel – liegt ein erhabenes Mittelmaß dessen, was unsere katholische Tradition über die Sprache lehrt. Wer heute Kinder erzieht und aufzieht, ist von den Überresten beider Irrtümer umgeben; die Grammatik, recht verstanden, ist das Heilmittel.
Bevor man jedoch irgendeine Grammatikstunde erteilen kann, müssen drei Vorfragen beantwortet werden: Woher stammt die Sprache? Was ist die Natur eines Wortes? Und welches ist der Zweck der menschlichen Rede? Die Antworten auf diese lebenswichtigen Fragen sind keine Prinzipien, die der Grammatik selbst angehören. Sie werden einer höheren Wissenschaft entnommen, so wie ein Zimmermann ein Haus nach Prinzipien errichtet, die eigentlich dem Architekten zukommen. Die Grammatik ist ein untergeordnetes Bauprojekt, das der Wirklichkeit selbst untergeordnet ist.
Die wichtigste Frage zum Ursprung der menschlichen Sprache lautet: Stammt sie vom Menschen oder von Gott? Die Heilige Schrift ist eindeutig. Im Buch Genesis schuf Gott das Universum durch sein Wort. Der heilige Johannes sagt uns: „Im Anfang war das Wort“, und Er ist die zweite Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Die Fähigkeit des Menschen zur Sprache rührt daher, dass er nach dem Bild und Gleichnis dieses Wortes geschaffen wurde, und jeder wahre Akt der Benennung ist eine Teilhabe am Logos, durch den alle Dinge gemacht wurden.
Gott verleiht dem Menschen die Macht, die Dinge angemessen zu benennen. In Genesis 2,19 führte Gott alle Tiere vor Adam, „um zu sehen, wie er sie nennen würde, und der Name, den Adam jedem lebenden Wesen gab, ist sein Name“. Die Aufgabe des Benennens wurde dem Menschen als ein Akt der Stellvertretung anvertraut, die Ausübung einer delegierten Autorität, die der nach dem göttlichen Bild geschaffene Mensch in wahrer Freiheit übernahm. (S.Th. I, q. 96, a. 1)
Adam benannte jedes Geschöpf so, wie es wirklich war, nicht so, wie er es sich wünschte. Verlieren wir diese Unterscheidung aus dem Blick, geraten wir in ein illusorisches Verlangen nach der Sprache und ihrem rechten Gebrauch. Gewinnen wir diese Unterscheidung zurück, erinnern wir uns daran, dass die Sprache ein Bund ist, ein Geschenk, das einer Gemeinschaft von Seelen vermacht wurde, die verpflichtet sind, es von Generation zu Generation treu weiterzugeben.
Was also ist ein Wort? Ein Wort ist nicht einfach ein Laut oder eine zufällige Ansammlung von Phonemen. Ein Wort hat einen materiellen Leib, der sich in den Silben manifestiert, die wir aussprechen, und eine Seele: den immateriellen Begriff oder die Intelligibilität, die es übermittelt. Der heilige Thomas nennt dies das verbum mentis, das innere Wort, das der Intellekt aus einer realen Sache abstrahiert; das hörbare Wort ist nur das äußere Zeichen einer in der Seele erfassten Form.
Wenn wir „Katze“ sagen, führt uns der Laut über sich selbst und über die einzelne Katze hinaus zur „Katzenheit“, einer Wesenheit, die wir erkennen, ob das Tier vor uns ein Calico, ein Siam oder ein Perser ist. Die Wesenheit ist in einer Katze etwas anderes als in einem Wort über eine Katze. Ein Wort ist ein Artefakt der Vernunft, das an seinen Begriff nicht wie ein Naturwesen, sondern wie ein Zeichen an das Gebunden ist, was es bedeutet. Ein Wort ist ein kleiner Akt der Gemeinschaft zwischen dem Geist und dem Wirklichen. Weil es Gemeinschaft und keine Zusammensetzung ist, kann die Verbindung zerbrechen, aber nicht ohne Kosten und sogar Missbrauch.
Der heilige Thomas lehrt, dass der Zweck der Rede darin besteht, die Wirklichkeit im karitativen Dienst am Nächsten zu vermitteln. Wirklichkeit und Wahrheit sind konvertibel. Die Wahrheit ist eine Tugend, die mit der Gerechtigkeit verbunden ist, die wir dem anderen schulden. Falsch zu sprechen heißt, der Gerechtigkeit zuwiderzuhandeln. Die Wirklichkeit im Dienst am Nächsten zu vermitteln, erfordert die Liebe, die mit Klugheit ausgeübt wird, damit Wahrheit und Liebe über die guten Absichten hinaus erreicht werden.
Wenn wir in einem der beiden Zwecke versagen, missbrauchen wir die Gabe der Rede. Wenn wir falsch sprechen, haben wir gelogen. Wenn wir die Wahrheit ausschließlich in unserem eigenen Dienst sagen, sparen wir die Liebe, auch wenn wir Tatsachen nennen, und die Gemeinschaft wird durch Manipulation ersetzt. Wenn unsere Worte den anderen nicht mehr erbauen, arbeiten wir daran, ihn zu kontrollieren.
Josef Pieper lehrt, dass die Korruption einer Gesellschaft lange bevor ihre Gesetze oder Institutionen versagen, beginnt; sie beginnt mit dem Missbrauch der Rede: Wenn die Worte von ihrer Wirklichkeit gelöst und mit Absicht neue Unwirklichkeiten angehängt werden, folgt der Missbrauch der Macht.
Der Archetyp dieses Missbrauchs der Rede lässt sich im Garten Eden erkennen, als die Schlange drei Halbwahrheiten vorbrachte, die sich als verheerende Lügen erwiesen. Die erste war die Verleumdung des Gesetzgebers, die zweite eine Leugnung der geoffenbarten Wahrheit über den Tod, und die dritte ein Versprechen: „Ihr werdet wie Gott sein!“ All dies stellte einen Bruch mit den wahren Bedeutungen der Worte dar, die aus dem Mund Gottes kamen.
Dieselben Lügen werden heute gesagt, nur dass sie nun durch die Technologie verbreitet und verstärkt werden. Die zentralen Themen der Schlange bleiben: „Ihr werdet wie Götter sein“ und „Ihr könnt die Wirklichkeit definieren“.
Ein Mann kann verkünden, und es wird erwartet, dass alle zustimmen, er könne sich „als Frau identifizieren“. Die Worte, die verwendet werden, um ihn zu beschreiben, sollen sich seinen Begierden beugen und nicht der Wirklichkeit. Dies zuzustimmen ist keine Barmherzigkeit, sondern die älteste Form der Usurpation, getarnt als Tugend.
Eine Gesellschaft, die darauf verzichtet, die Dinge in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit zu benennen, kann nicht von der Wahrheit regiert werden, sondern nur von der Agenda dessen, der die Worte kontrolliert. Unsere erste Aufgabe besteht nicht darin, jedes verdrehte Wort zu katalogisieren – das wäre eine endlose Arbeit –, sondern die einzige Wahrheit wiederzugewinnen, die all diesen zugrunde liegt: dass die Sprache von Gott kommt, dass das Wort dazu bestimmt ist, die Wirklichkeit zu vermitteln, und dass wir die Wahrheit, in Liebe gesagt, den anderen schulden.
Heute betreten die meisten Kinder den Kindergarten und wissen, was das Wort „Katze“ bedeutet. Wenn dieselben jungen Menschen die High School abschließen, sind sie tragischerweise möglicherweise nicht mehr so sicher.
Über den Autor
Steven Jonathan Rummelsburg leitet City of Truth Educational Consulting für die Diözese Charleston und schreibt für St. Isidore’s Artisan Academy, einen Newsletter, der der Wiedererlangung einer authentischen katholischen Bildung durch die Weisheit der 2500-jährigen intellektuellen Tradition der Kirche gewidmet ist.