Der österreichische Pastoraltheologe Paul M. Zulehner hat die jüngste Bestätigung des Vatikans kritisiert, wonach die Predigt während der Messe Bischöfen, Priestern und Diakonen vorbehalten ist, und die Anfrage der Deutschen Bischofskonferenz an den Heiligen Stuhl als Fehler bezeichnet. In einem Interview mit der Zeitschrift Kirche In vertritt der Professor die Auffassung, die deutschen Bischöfe hätten die Praxis in den Gemeinden fortbestehen lassen sollen, ohne eine Stellungnahme aus Rom einzuholen.
„Sie hätten nicht fragen sollen“
Zulehner erklärte, die Deutsche Bischofskonferenz sei „vielleicht zu optimistisch“ gewesen, als sie dem Vatikan die Frage vorgelegt habe, ob Laien während der Eucharistiefeier predigen dürften.
Seiner Ansicht nach hätten die Bischöfe „besser daran getan, einfach auf die Entwicklung in den Gemeinden zu vertrauen und nichts zu fragen“. Der Theologe fügte hinzu, er wisse nicht, „dass eine andere Bischofskonferenz eine derart antiquierte Anfrage gestellt habe“, und riet den österreichischen Bischöfen, keine vergleichbare Initiative zu fördern.
Die Äußerungen erfolgen, nachdem das Dikasterium für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung die deutschen Bischöfe daran erinnert hat, dass die Predigt während der Messe Teil der Liturgie ist und nach kirchlichem Recht ausschließlich geweihten Amtsträgern vorbehalten bleibt.
Vergleich mit der Situation der Ministrantinnen
Der Theologe war der Überzeugung, dass die Entscheidung Roms die Fortentwicklung einer abweichenden Praxis in manchen Gemeinden nicht verhindern werde.
Als Beispiel erinnerte er an die Zulassung von Frauen zum Altardienst. „Auch das war verboten, doch an den meisten Orten dienten sie weiter am Altar. Heute empört sich kaum noch jemand darüber, dass Frauen als Ministrantinnen tätig sind“, erklärte er.
Seiner Meinung nach „entwickeln sich manche Dinge einfach weiter“, und die Versuche vatikanischer Stellen, diese Prozesse zu steuern, seien derzeit nur begrenzt wirksam.
Kritik an der Predigt der Priester
Während des Interviews vertrat Zulehner zudem die Ansicht, dass die Qualität vieler Predigten mangelhaft sei. Unter Berufung auf eine aktuelle Studie der Universität Wien behauptete er, die Predigt könne sich zu einer „Maßnahme der Entwöhnung vom Gottesdienstbesuch“ entwickeln.
„Ich gestehe, dass ich nicht selten auf autogenes Training zurückgreifen muss, um eine Predigt zu überstehen“, bemerkte er.
Zudem wies er die Vorstellung zurück, eine Predigt sei allein deshalb wirksam, weil sie von einem geweihten Priester gehalten werde. Er wies außerdem darauf hin, dass in manchen Fällen Kommunikationsschwierigkeiten bestünden, wenn die Muttersprache der Priester nicht Deutsch sei.