Sodbrennen und gebrochene Rippen

Sodbrennen und gebrochene Rippen
The Vision of St. Philip Neri by Marco Benefial, 1721 [Fitzwilliam Museum, University of Cambridge]

Von P. Paul D. Scalia

Philipp Neri pflegte, spät in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden aufzustehen, um sich durch die schlafende Stadt Rom, außerhalb der Stadtmauern, zur Basilika San Sebastiano zu begeben. Dort stieg er unter der Kirche hinab, in die alten Katakomben, wo sich die ersten Christen Roms zur Messe versammelten, wo so viele Märtyrer ruhten. An diesem heiligen Ort verbrachte er die Zeit im Gebet.

Bei einer dieser Gelegenheiten begab sich der Apostel Roms in der Vigil von Pfingsten in jene Katakomben. Während er betete, erschien ihm der Heilige Geist als eine Feuerkugel, die durch seinen Mund eindrang und sich in seinem Herzen niederließ. Er spürte, wie sich sein Herz ausdehnte. Von diesem Moment an, wie später Menschen bezeugten, ging von seinem Herzen eine geheimnisvolle, aber spürbare Wärme aus, ja ein Feuer. Nach seinem Tod ergab die Autopsie, dass zwei Rippen gebrochen waren und einen Bogen bildeten, um dem vergrößerten Herzen Platz zu geben.

Es ist passend, dass das Fest des heiligen Philipp Neri (am 26. Mai, diesen Dienstag) oft so nahe an Pfingsten fällt. Denn seine Erfahrung in den Katakomben ist eine große Lehre darüber, wie wir den Geist an diesem Tag empfangen sollen. Wie bei jedem Wunder offenbart seine Begegnung mit dem Heiligen Geist auf außergewöhnliche Weise, was für jeden Katholiken gewöhnlich sein sollte. Und damit wir nicht meinen, die Erfahrung des heiligen Philipp sei seltsam gewesen, müssen wir daran erinnern, dass wir oft um dasselbe beten: Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.

Nämlich Magenschmerzen und gebrochene Rippen.

Zuerst die Magenschmerzen. Dass der Geist sich im Herzen —dem Zentrum der Liebe— niederlässt, sagt uns viel darüber, wer Er ist und was Er tut. Der Heilige Geist ist die Liebe Gottes. Das ist nicht nur eine fromme Redensart, sondern eine tiefe theologische Wahrheit. Auch ist der Heilige Geist nicht nur die Liebe, die von Gott kommt. Er ist die Liebe Gottes; das heißt, die Liebe in Gott, zwischen dem Vater und dem Sohn, die Liebe, die von Ewigkeit her besteht. Er ist die Person, die der heilige Johannes Paul II. das „ungeschaffene Liebes-Geschenk“ nannte.

Als die Person, die die Liebe ist, wird uns der Geist gegeben, damit wir lieben können. Denn „die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist“. (Römer 5,5) Alle Seine Gaben und Gnaden werden uns geschenkt, damit wir im Lieben vollendet werden können. Alle Seine Früchte sind letztlich Wirkungen der Liebe. Der Heilige Geist wirkt die Heiligkeit, die die Vollendung in der Liebe ist.

Zudem offenbart das Bild des Feuers, wie diese Person Ihr Werk der Liebe in uns vollbringt. Der Heilige Geist ist wie das Feuer, eine Liebe, die reinigt, erleuchtet und mit Energie erfüllt. Er reinigt unsere Herzen von den geringeren Lieben, die uns zurückhalten. Er erleuchtet unsere Herzen, um Gott zu erkennen, uns selbst zu erkennen und zu wissen, wie wir lieben sollen. Er gibt uns die Kraft, andere mit der Liebe Gottes selbst zu lieben.

Für die, die ihn umgaben, offenbarte die Wärme, die vom Herzen des heiligen Philipp ausstrahlte, die Liebe Gottes in seinem Inneren. Wiederum offenbart dieses außergewöhnliche Ereignis, was normativ sein sollte. Unsere Verbindung mit dem Geist sollte in uns eine Wärme hervorbringen, die sich durch unsere Worte und Taten auf andere ausstrahlt. Tatsächlich ist das Erstaunlichste nicht, dass die Wärme des Geistes durch den heiligen Philipp Neri offenbar wurde, sondern dass sie bei uns nicht so offensichtlich ist.

Zweitens die gebrochenen Rippen. Nun ist festzuhalten, dass diese Verletzung das Leben Philipps nicht hinderte. Er führte fünfzig Jahre nach dem Vorfall ein sehr aktives apostolisches Leben. Offensichtlich war mit dieser Gabe des Geistes ein gewisser Schmerz verbunden. Aber wir sollten daran als die „sanfte Gewalt“ des Geistes denken, von der der heilige Franz von Sales spricht. Oder als eine heilsame Zurechtweisung, wie wir sie heute in der Sequenz vom Geist erbitten: „Beuge das widerspenstige Herz und den Willen“.

Kurz gesagt: Um den Geist zu empfangen, muss etwas in uns nachgeben. Gewöhnlich wollen wir Gott in unser Leben zwingen, Ihn für uns arbeiten lassen. Aber der Geist passt nicht in unser weltliches Leben. Er ist, sozusagen, nicht dafür geschaffen. Vielmehr, wie ein stürmischer Wind, der frische Luft bringt, aber manchmal auch Dinge durcheinanderbringt, verlagert Er Aspekte unseres Lebens, damit mehr Raum für Sein Wirken entsteht.

Der Punkt ist, dass nichts Bequemes oder Angenehmes —im weltlichen Sinne— am Geist ist. Er kommt nicht, um unser Leben so fortzuführen, wie es ist, sondern um in uns zu leben und das Leben Christi in uns zu reproduzieren. Das erfordert eine Veränderung unsererseits. Tatsächlich übersteigt sogar der Trost, den Er bringt, das Verständnis der Welt, passt nicht in die Vorstellung der Welt vom Komfort. Das Leben nach dem Geist erfordert den unbedingten Willen zur Veränderung.

Unser Herr sagt uns, dass der Vater „den Geist nicht nach Maß gibt“. (Johannes 3,34) In Wahrheit ist Er nicht geizig. Aber wir sind es. Wir stellen Barrieren und Hindernisse gegen die Zunahme Seiner Liebe in uns. Oder wir wollen Seine Gnadengaben für unsere persönlichen Projekte, nicht um in Ihm zu wachsen.

Damit dieses Fest und diese Gabe des Geistes wirksam werden, müssen wir Ihm erlauben, uns zu verbrennen und zu verlagern. Dass Er unsere Herzen mit Seinem Feuer der Liebe reinigt und sie dorthin bewegt, wo Er sie braucht.

Über den Autor

P. Paul Scalia ist Priester der Diözese Arlington, VA, wo er als Bischöflicher Vikar für den Klerus und als Pfarrer von Saint James in Falls Church tätig ist. Er ist Autor von That Nothing May Be Lost: Reflections on Catholic Doctrine and Devotion und Herausgeber von Sermons in Times of Crisis: Twelve Homilies to Stir Your Soul.

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