„Wahlen und fremde Ängste“

Redaktion El Semanario de Guadalajara

„Wahlen und fremde Ängste“

Editorial El Semanario de Guadalajara.- In Mexiko, wenn die Regierung neue Wahlregeln vorschlägt, lohnt es sich, nicht nur auf die offizielle Rhetorik zu achten, sondern auch auf den Kontext, in dem diese Initiativen entstehen. Und heute spricht uns dieser Kontext deutlich an.

Der von Morena vorangetriebene Vorschlag, Wahlen bei ausländischer Einmischung abzubrechen oder für ungültig zu erklären, mag logisch klingen. Scheinbar könnte niemand dagegen sein, die nationale Souveränität zu verteidigen und unsere demokratischen Prozesse zu schützen. Doch hinter dieser Erzählung tauchen auch berechtigte Fragen auf, die wir als Bürger nicht unbeachtet lassen sollten.

Insbesondere geschieht dies, während die Forderungen nach Ermittlungen gegen politische Akteure aus Sinaloa, die angeblich mit Drogenkartellen in Verbindung stehen, zunehmen.

Es handelt sich nicht um bloße Gerüchte. Der jüngste Besuch des US-Heimatschutzministers und die Gespräche mit der Bundesregierung zeigen, dass das Thema bereits auf diplomatischer und international-politischer Ebene eskaliert ist. Der Kampf gegen den Drogenhandel, den Fentanyl-Schmuggel und die kriminelle Infiltration in die mexikanische Politik ist zu einem Thema von enormer bilateraler Spannung geworden.

Genau hier entsteht die Sorge der Bürger. Denn eine Reform dieser Art, obwohl als Mechanismus zum nationalen Schutz präsentiert, könnte auch die Tür dafür öffnen, dass künftige Wahlen aus politischen Gründen angefochten werden. Zumal die Institutionen, die für die Validierung der Wahlprozesse zuständig sind, wegen ihrer Nähe zur jeweiligen Regierung in Frage gestellt werden, wegen ihrer Abhängigkeit von der Exekutive, die diese Initiative zur Wahlreform auf verschiedene Weise zu legitimieren versucht hat.

Als ausländische Einmischung kann alles Mögliche gelten, sogar jede Veröffentlichung in den wechselhaften und launischen sozialen Netzwerken.

Gleichzeitig dürfen wir eine schmerzhafte Realität nicht ignorieren: Die Infiltration des organisierten Verbrechens in die mexikanische Politik existiert und hat tiefe Wunden hinterlassen. Es geht nicht nur um Drogenhandel. Es geht um Verschwindenlassen, Zwangsrekrutierung junger Menschen, Gewalt, Korruption und ganze Gemeinden, die von Angst beherrscht werden. Hier muss der Einfluss auf Wahlen genau unter die Lupe genommen werden.

Es ist unerlässlich, dass jede Anschuldigung gegen Amtsträger oder ehemalige Amtsträger ernsthaft untersucht wird. Ohne Simulationen. Ohne Absprachen. Ohne politischen Schutz. Mexiko muss das Vertrauen in seine Institutionen zurückgewinnen. Das wird nur möglich sein, wenn die Justiz aufhört, parteipolitische Farben zu tragen.

Als Gesellschaft dürfen wir nicht zulassen, dass Verbrechen und Macht Hand in Hand gehen. Aus christlicher Sicht ruft uns dieser Moment dazu auf, über unsere bürgerliche Verantwortung nachzudenken. Gleichgültigkeit stärkt letztlich die Korruption. Unser Land braucht Männer und Frauen, die sich der Wahrheit, der Gerechtigkeit und dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen.

Wir dürfen nicht die Fähigkeit verlieren, uns über das Böse zu empören, aber auch nicht die Hoffnung, ein gerechtes Mexiko aufzubauen. Denn wenn die Wahrheit ehrlich gesucht und die Gerechtigkeit ohne Begünstigungen ausgeübt wird, ist es immer noch möglich, an eine bessere Zukunft für unser Land zu glauben.

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