Die Kirche in Frankreich reorganisiert ihre territoriale Präsenz, um auf den Rückgang der Priesterzahl und eine zunehmend säkularisierte Gesellschaft zu reagieren. Das Ziel besteht nicht mehr darin, die über Jahrhunderte gewachsene Struktur unverändert zu erhalten, sondern Ressourcen zu bündeln, kleine christliche Gemeinschaften zu stärken und eine stärker itinerante und missionarische Pastoral zu fördern.
Wie die Agentur Fides hervorhebt, zeigt sich dieser Prozess besonders in Diözesen wie Reims, wo Erzbischof Éric de Moulins-Beaufort seit 2018 eine tiefgreifende Pastoralreform unter dem Leitwort „Unterwegs für die Mission“ vorangetrieben hat.
Missionsräume und itinerante Teams
Die Erzdiözese Reims hat neue Missionsräume geschaffen, die von Teams aus Priestern, Diakonen und Laien betreut werden. Die Organisation des sakramentalen Lebens wurde an die tatsächlichen Möglichkeiten des verfügbaren Klerus angepasst, indem die Orte der sonntäglichen Eucharistiefeier entsprechend den vorhandenen Ressourcen festgelegt wurden.
Zusätzlich wurde ein stärker itinerantes Modell des Dienstes eingeführt. Diese Teams bleiben für eine gewisse Zeit an einem konkreten Ort, bieten auf die Bedürfnisse des Ortes abgestimmte Aktivitäten an, besuchen Kranke, begleiten isolierte Menschen und treten mit Familien in Kontakt, die dies wünschen.
Ziel ist es, Gastfreundschaft mit missionarischer Ausrichtung zu verbinden: das christliche Leben dort zu erhalten, wo es noch existiert, und gleichzeitig Menschen in sozialen und spirituellen Randlagen zu begegnen.
Arras wird von 89 auf nur 11 Pfarreien reduziert
Der Fall Reims steht nicht allein. Die Diözese Arras hat kürzlich eine weitreichende pastorale Umstrukturierung angekündigt, durch die die derzeitigen 89 Pfarreien auf nur 11 reduziert werden.
Ziel dieser Neuordnung ist es, die verfügbaren Ressourcen zu konzentrieren, Wegezeiten zu verringern und das lokale Leben durch kleine christliche Bruderschaften zu stärken. Es handelt sich um eine direkte Antwort auf den Priestermangel und die Schwierigkeit, das alte Pfarrnetz in einem Kontext stark reduzierter religiöser Praxis aufrechtzuerhalten.
Frankreich – vom großen Missionsland zum Missionsgebiet
Die Umgestaltung dieser Diözesen spiegelt einen tiefgreifenden historischen Wandel wider. Frankreich war im 19. und 20. Jahrhundert eines der großen Länder, die die katholische Mission in Afrika, Asien und anderen Regionen vorantrieben. Heute jedoch sehen viele französische Bischöfe das eigene Land wieder als Missionsgebiet an.
Der Ausdruck ist nicht neu. Bereits 1943 veröffentlichten Henri Godin und Yvan Daniel den berühmten Essay La France, pays de mission?, in dem sie vor der Entchristlichung weiter Teile der französischen Gesellschaft warnten. Acht Jahrzehnte später scheint sich diese Diagnose noch verschärft zu haben.
Derzeit nehmen nur etwa 2 % der Franzosen regelmäßig am sonntäglichen Gottesdienst teil, obwohl sich etwa die Hälfte der Bevölkerung weiterhin als katholisch bezeichnet. Gleichzeitig ist in den letzten Jahren ein deutlicher Anstieg der Taufanfragen von Jugendlichen und Erwachsenen zu verzeichnen – ein Phänomen, das zeigt, dass die Säkularisierung die religiöse Suche nicht vollständig ausgelöscht hat.
Rom beobachtet die französische Erfahrung
In diesem Kontext steht auch die jüngste Ernennung von Kardinal Jean-Marc Aveline, Erzbischof von Marseille, und von Monsignore Éric de Moulins-Beaufort, Erzbischof von Reims, zu Mitgliedern des Dikasteriums für die Evangelisierung.
Der Erste hat eine Reflexion geprägt, die vom Dialog, von Migration und vom religiösen Pluralismus im Mittelmeerraum geprägt ist. Der Zweite hat eine pastorale Neuordnung vorangetrieben, die darauf abzielt, die Präsenz der Kirche in einer von Priestermangel und sinkender religiöser Praxis betroffenen Diözese aufrechtzuerhalten.
Ihre Aufnahme in das vatikanische Dikasterium deutet darauf hin, dass Leo XIV. die Kirche in Frankreich mit Interesse als eines der Laboratorien der neuen Evangelisierung in Europa betrachtet. Eine Kirche, die über Generationen hinweg Missionare in die Welt gesandt hat und nun lernen muss, erneut in ihrem eigenen Territorium zu evangelisieren.