Papst Leo XIV hat einen neuen Schritt in der Strategie der Energieautarkie des Heiligen Stuhls unternommen, indem er die Stiftung „Fratello Sole“ ins Leben rief, eine Einrichtung, die das große Agrivoltaik-Projekt von Santa Maria di Galeria entwickeln und verwalten soll – das exterritoriale Gebiet des Vatikans nördlich von Rom, in dem sich das Sendezentrum von Radio Vatikan befindet.
Die Entscheidung wurde durch ein päpstliches Handchreiben formalisiert, das am 1. Juni unterzeichnet und am 2. Juni veröffentlicht wurde. In dem Dokument stellt der Papst die neue Stiftung als Instrument vor, um das Engagement des Vatikans für ökologische Nachhaltigkeit und den Schutz der Schöpfung „sichtbar und konkret“ zu machen.
Kontinuität des von Franziskus angestoßenen Projekts
Die Initiative steht in der von Papst Franziskus vorgegebenen Linie, der im Juni 2024 das Motu Proprio Fratello Sole erließ, um die Energieautonomie des Vatikanstaates voranzutreiben.
Das Dokument beauftragte den Governatorat und die Verwaltung des Erbes des Apostolischen Stuhls (APSA) mit der Entwicklung einer agrivoltaischen Anlage, die nicht nur die Einrichtungen von Radio Vatikan in Santa Maria di Galeria, sondern auch einen Großteil des Energiebedarfs des Heiligen Stuhls decken soll.
Die Gründung der Stiftung erfolgt zudem wenige Tage nach Inkrafttreten des Abkommens zwischen dem Heiligen Stuhl und der Italienischen Republik zur Regelung der Umsetzung dieses Energieprojekts.
Ein Modell, das Landwirtschaft und Solarenergie verbindet
Das Agrivoltaik-Projekt zielt darauf ab, die Erzeugung erneuerbarer Energie mit landwirtschaftlicher Nutzung zu vereinbaren und zu verhindern, dass die Flächen ausschließlich für die Installation von Solarmodulen genutzt werden.
Wie Leo XIV erläutert, soll diese Erfahrung ein Beispiel dafür werden, wie technologische Entwicklung, Energieproduktion und Umweltschutz miteinander in Einklang gebracht werden können.
In seinem Handchreiben bezeichnet der Papst die Stiftung als „ein Zeichen der Hoffnung für die Zukunft“ und als konkreten Beweis dafür, dass Energieerzeugung und Respekt vor der Natur keine unvereinbaren Ziele sein müssen.
Eine Stiftung mit weitreichenden Kompetenzen
Die neue Einrichtung wird über öffentlich-rechtliche Rechtspersönlichkeit des Vatikans sowie administrative, finanzielle und vermögensrechtliche Autonomie verfügen.
Zu ihren Aufgaben gehören der Bau, die Finanzierung und der Betrieb der agrivoltaischen Anlage sowie die Erzeugung, Verteilung und Überwachung der für den Vatikan, verschiedene exterritoriale Immobilien und andere mit dem Heiligen Stuhl verbundene Einrichtungen bestimmten Energie.
Darüber hinaus sieht die von Leo XIV genehmigte Satzung die Möglichkeit vor, bei künftigem Energiebedarf weitere Projekte auf Basis erneuerbarer Energien zu fördern.
Die Stiftung kann außerdem mit Universitäten, Forschungseinrichtungen, öffentlichen und privaten Organisationen sowie mit katholischen Institutionen zusammenarbeiten, die an der Entwicklung nachhaltiger Technologien interessiert sind.
Inspiration durch Laudato Si’
Leo XIV stellt diese Initiative ausdrücklich in den Zusammenhang mit der jüngsten kirchlichen Lehre zum Schutz der Schöpfung. Mit Laudato Si’ als Leitfaden, der Apostolischen Mahnung Laudate Deum und dem Motu Proprio Fratello Sole betont er, dass die verantwortungsvolle Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen Teil der Prinzipien der Soziallehre der Kirche ist.
Für die ersten drei Betriebsjahre hat der Papst die Präsidentin des Governatorats des Vatikanstaates, Sr. Raffaella Petrini, zur Präsidentin der Stiftung und den Präsidenten der APSA zum Vizepräsidenten ernannt.
Mit dieser Entscheidung festigt Leo XIV eines der ambitioniertesten Projekte, die während des Pontifikats von Franziskus begonnen wurden, und bekräftigt den Willen des Heiligen Stuhls, seine Abhängigkeit von externer Energie schrittweise durch den Einsatz erneuerbarer Quellen zu verringern.