Deutschland definiert das Priestertum neu: weniger Doktrin, mehr „Prozess“, Psychologie und Synodalität

Deutschland definiert das Priestertum neu: weniger Doktrin, mehr „Prozess“, Psychologie und Synodalität

Laut der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) wurde das neue Rahamendokument für die Priesterausbildung —Ratio Nationalis Institutionis Sacerdotalis— am vergangenen 11. März vom Dikasterium für den Klerus genehmigt und ersetzt den seit 2003 gültigen Text.

Die neue Vorschrift ist inspiriert von der Ratio Fundamentalis, die 2016 von Papst Franziskus genehmigt wurde, und wurde über mehrere Jahre von einer Arbeitsgruppe der eigenen deutschen Bischofskonferenz erarbeitet.

Ein formatives Modell mit „synodalem“ und gemeinschaftlichem Ansatz

Das Dokument definiert die Priesterausbildung als einen „integral, permanenten, gemeinschaftlichen und missionarischen“ Prozess, in Übereinstimmung mit dem aktuellen kirchlichen Ansatz, der von Rom gefördert wird.

Zu den wichtigsten Neuerungen, wie die Bischöfe selbst berichten, gehört die Einführung eines dezentraleren Modells, das das Leben im Seminar mit Aufenthalten in Pfarreien kombiniert, sowie die gemeinsame Ausbildung der zukünftigen Priester mit anderen pastoralen Akteuren.

Zusätzlich wird die Notwendigkeit betont, eine „dialogische Existenz“ zu entwickeln, wobei der Schwerpunkt nicht nur auf der akademischen Ausbildung liegt, sondern auch auf der persönlichen Reifung des Kandidaten.

Mehr Rolle für Psychologie und Frauen

Einer der hervorstechenden Aspekte des neuen Rahmens ist die Stärkung der Rolle der Psychologie im Ausbildungsprozess sowie die Einbindung „kompetenter“ Frauen auf verschiedenen Verantwortungsebenen innerhalb der Priesterausbildung.

Das Dokument berücksichtigt auch Beiträge verschiedener während seiner Erarbeitung konsultierten Gruppen, darunter Ausbilder, Theologieprofessoren, Seminaristen und Vertreter von Missbrauchsopfern.

Die Priesterausbildung als Schlüssel für die „Kirche der Zukunft“

Der Bischof Michael Gerber, Verantwortlicher für die Kommission für Berufungen und kirchliche Dienste, hat verteidigt, dass dieses neue Modell auf die aktuellen Herausforderungen der Kirche eingeht.

Wie er erklärte, zielt es darauf ab, Priester auszubilden, die in der Lage sind, die Schwierigkeiten des zeitgenössischen Kontexts zu bewältigen und in Zusammenarbeit mit dem gesamten Gottesvolk zu arbeiten.

Gerber betonte, dass die Ausbildung sich nicht ausschließlich auf konkrete Fähigkeiten konzentrieren sollte, sondern auf die Entwicklung der Persönlichkeit und die Fähigkeit, neue Erfahrungen ein Leben lang zu integrieren.

Das Dokument unterstreicht die Notwendigkeit, das eigene Urteil zu relativieren, und beharrt auf einer offenen Haltung in ständiger Überprüfung:

„Das Studium muss eine Selbstrelativierung des eigenen Denkens und Urteilens fördern“

In Kontinuität mit dem synodalen Weg

Die neue Vorschrift stimmt mit den Schlussfolgerungen der synodalen Arbeiten auf universaler Ebene überein, die auf eine stärkere Integration des Priesters in das Leben des Gottesvolks und die Förderung einer partizipativeren kirchlichen Kultur drängen.

Von der Bischofskonferenz aus gesehen wird die Ausbildung der zukünftigen Priester maßgeblich sein, um dieses Kirchenmodell in den kommenden Jahren zu gestalten.

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