Der Vatikan debattiert die neue internationale Ordnung mit einem akademischen Ansatz, der mit progressiven Strömungen übereinstimmt.

Der Vatikan debattiert die neue internationale Ordnung mit einem akademischen Ansatz, der mit progressiven Strömungen übereinstimmt.
Hermana Helen Alford, presidenta de la Pontificia Academia de Ciencias Sociales

Die Päpstliche Akademie der Sozialwissenschaften hat vom 14. bis 16. April eine Plenarsitzung abgehalten, die dem Analyse des politischen Machts, der Legitimität und der Umgestaltung der internationalen Ordnung gewidmet war, in einem Treffen, das durch die Präsenz von Referenten und Ansätzen geprägt war, die klar mit zeitgenössischen akademischen Strömungen progressiven Profils übereinstimmen.

Ein Treffen mit einem erkennbaren ideologischen Profil

Unter dem Titel “The Uses of Power: Legitimacy, Democracy and the Rewriting of the International Order” hat die Sitzung Akademiker und internationale Experten zusammengebracht, um über die Krise der liberalen Demokratien und die Entwicklung der globalen Ordnung nachzudenken.

Allerdings zeigt das Programm des Treffens ein definiertes ideologisches Profil. Unter den Teilnehmern befinden sich Namen wie der Ökonom Jeffrey Sachs, der mit internationalen Organisationen und der Agenda der nachhaltigen Entwicklung verbunden ist; der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, bekannt für seine Kritik am liberalen Wirtschaftsmodell; oder der ehemalige argentinische Minister Martín Guzmán, Vertreter interventionistischer Wirtschaftspolitiken.

Zu ihnen gesellen sich Akademiker und kirchliche Verantwortliche, die mit Themen wie Migration, globaler Governance, Klimagerechtigkeit oder der Agenda 2030 verbunden sind, Bereiche, die in Debatten üblich sind, die aus progressiven Positionen gefördert werden.

Themen, die eine konkrete Agenda widerspiegeln

Der Inhalt der Vorträge verstärkt diese Ausrichtung. Das Programm umfasst Beiträge zu Fragen wie der massiven Einwanderung und ihrem Einfluss auf die internationale Ordnung, den Zielen für nachhaltige Entwicklung aus kritischen Perspektiven foucaultscher Inspiration oder der Notwendigkeit, die globale Ordnung im Sinne der Klimagerechtigkeit umzugestalten.

Ebenso werden Konzepte wie globale Governance, die Rolle internationaler Organisationen oder die Reformulierung des Systems, das nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist, behandelt, in Übereinstimmung mit Ansätzen, die in akademischen und politischen Umfeldern progressiver Prägung weit verbreitet sind.

Ein theoretischer Rahmen, der zu diesem Ansatz passt

Das einleitende Dokument des Treffens bewegt sich in diesem gleichen Rahmen und geht von der Krise der liberalen Demokratie aus, indem es ihre Fähigkeit in Frage stellt, sich als universelles Modell zu halten. In diesem Kontext wird eine Überprüfung ihrer Grundlagen und der bestehenden internationalen Ordnung vorgeschlagen.

Besonders bedeutsam ist der Rückgriff auf die Hegelsche Kritik gegenüber dem kantischen Ideal einer auf Normen und Kooperation basierenden internationalen Ordnung, wobei eine skeptischere Lesart gewählt wird, die auf das Machtgleichgewicht zwischen Staaten abzielt.

Kontrast zum päpstlichen Lehramt

Das Treffen hat parallel zum Aufruf von Papst Leo XIV. für Frieden, das Gemeinwohl und die moralische Verantwortung der Nationen stattgefunden, wobei die ethische Dimension des politischen Lebens betont wird.

Im Gegensatz dazu liegt der Ansatz des Treffens hauptsächlich auf einer akademischen und strukturellen Ebene, der sich auf die Analyse der Macht und die Überprüfung zeitgenössischer politischer Kategorien konzentriert.

Eine gefestigte Tendenz

Die Sitzung bestätigt eine Linie, die bereits in anderen Initiativen der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften sichtbar ist: die Übernahme von Analyserahmen, die sich, obwohl sie als interdisziplinäre Reflexion präsentiert, in erheblichem Maße auf zeitgenössische Denkströmungen stützen, die mit progressiven und globalen Ansätzen verbunden sind.

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