Der Bischof von Passau (Deutschland), Monsignore Stefan Oster, hatte bereits klargestellt, dass er in seiner Diözese die Hauptresolutionen des deutschen Synodalen Wegs nicht umsetzen würde noch das vorgesehene Überwachungssystem zur Kontrolle ihrer Umsetzung. Bei jener Gelegenheit verteidigte er, dass die Zukunft der Kirche nicht durch strukturelle Reformen oder doktrinäre Veränderungen gehe, sondern durch eine authentische und der katholischen Lehre treue spirituelle Erneuerung.
Die Deutsche Bischofskonferenz hat kürzlich in Würzburg die Statuten des neuen Gremiums genehmigt, das dazu bestimmt ist, Bischöfe und Laien zusammenzubringen, um über die Zukunft der Kirche in Deutschland zu debattieren und Resolutionen zu fassen. Das Projekt hängt jedoch noch vom endgültigen Urteil des Vatikans ab, nach Monaten des Dialogs und der Spannungen.
Nun hat Mons. Oster seine Teilnahme von der expliziten Zustimmung des Heiligen Stuhls abhängig gemacht. In einem Interview mit Katholisch.de macht der Prälat klar, dass die Gemeinschaft mit Rom und die Treue zur katholischen Anthropologie für ihn nicht verhandelbare Linien sind.
Gemeinschaft mit der universalen Kirche als Bedingung
Oster, der den sogenannten Synodalen Weg zu seiner Zeit verlassen hat, schließt nicht aus, sich dem Prozess wieder anzuschließen. Er stellt jedoch eine klare Bedingung: „Wenn wir es im Einklang mit der universalen Kirche tun, werde ich teilnehmen“.
Der Bischof versichert, auf die Reaktion Roms zu warten. Er erkennt an, dass nach mehr als zwei Jahren Gesprächen ein gemeinsames Interesse besteht, einen frontalen Zusammenstoß zu vermeiden. Sein Urteil: „Niemand will mit einem Verlust an Glaubwürdigkeit herauskommen“, was darauf hindeutet, dass die Synodalkonferenz letztlich gegründet werden wird, wenn auch nicht ohne Anpassungen.
Eine umstrittene Anthropologie
Einer der heikelsten Punkte ist das sogenannte „monitoring“ [Überwachungssystem], das zur Kontrolle der Umsetzung der Resolutionen des Synodalen Wegs in den Diözesen vorgesehen ist. Oster warnt, dass viele dieser Punkte „bereits eine andere Anthropologie voraussetzen“.
„Ich bin Katholik und verteidige die katholische Anthropologie“, erklärt er klar. Aus diesem Grund lehnt er es ab, dass überprüft wird, ob seine Diözese Maßnahmen ergreift „die nicht von der universalen Kirche gegeben oder erlaubt wurden“. Der Konflikt ist also nicht nur kompetenziell, sondern doktrinär.
Im Hintergrund steht die Debatte über moralische und ekklesiologische Fragen, die der Synodalweg neu aufgreifen wollte. Aus Rom wurden in den letzten Jahren explizite Warnungen vor der Schaffung nationaler Strukturen mit Kompetenzen formuliert, die die eigene Gewalt der Bischöfe beeinträchtigen oder das hierarchische Gleichgewicht der Kirche stören könnten.
Synodalität oder parlamentarische Logik
Oster hinterfragt auch die Art und Weise, wie einige Abstimmungen im deutschen Prozess abliefen. Wie er berichtet, haben Mitglieder der Bischofskonferenz selbst ihm gebeichtet, dass sie bei öffentlichen und namentlichen Abstimmungen unter Umgebungsdruck Vorschläge unterstützt haben, sogar gegen ihre persönliche Überzeugung.
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Für den Bischof von Passau erfordert echte Synodalität echtes Zuhören in einem geschützten Raum, ohne politische Kalküle oder Jagd nach Mehrheiten. Er erinnert zudem daran, dass der Papst betont hat, Synodalität ziele nicht darauf ab, die Lehre zu ändern, sondern den Glauben besser zu leben und zu vermitteln. In Deutschland hingegen hat die Änderung der Lehre häufig den Mittelpunkt der Debatte eingenommen.
Episkopale Einheit und Beziehung zu Rom
Auf die Frage nach dem neuen Präsidenten der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, äußert sich Oster zuversichtlich, dass er die gefassten Resolutionen nach Rom weiterleiten und festhalten wird, dass es unter den Bischöfen keine volle Einstimmigkeit gab.
In seiner eigenen Diözese erklärt der Prälat, die Frage offen mit den Beratungsgremien diskutiert und eine Mehrheitsunterstützung für eine vorsichtige Haltung gegenüber bestimmten Entwicklungen im synodalen Prozess erhalten zu haben.
Junge Menschen, die Liturgie und Tradition suchen
Im Kontrast zur schweren Krise, durch die die Kirche in Deutschland geht – mit Hunderttausenden jährlicher Austritte –, beobachtet Oster ein auffälliges Phänomen: Junge Menschen, die den katholischen Glauben entdecken oder wiederentdecken, oft über das Internet.
Es handelt sich, wie er erklärt, um Personen, die Liturgie, Tradition und eine klare Identität in Christus suchen. Sie konsumieren Inhalte auf digitalen Plattformen und finden nicht immer einen unmittelbaren Platz in den konventionellen Pfarrstrukturen.
Für den Bischof muss die Kirche angemessene Räume der Aufnahme und Begleitung öffnen. Wenn diese Bewegung stabil und nicht vorübergehend ist, könnte sie zu einem echten Impuls der spirituellen Erneuerung werden.
In der Zwischenzeit hängt die deutsche Synodalkonferenz vom Urteil Roms ab. Und für Stefan Oster bleibt die Trennlinie klar: Ohne Gemeinschaft mit der universalen Kirche und ohne Treue zur überlieferten Lehre gibt es keine Teilnahme.