Das Observatorio de Ciudadanía Católica y Análisis Social bietet in seinem Bericht Nummer 72 eine harte Bestandsaufnahme des aktuellen Zustands Mexikos nach acht Jahren der sogenannten Cuarta Transformación. Unter dem Titel „Empobrecimiento y Degradación de México con la 4T“ stellt das Dokument fest, dass das Land einen anhaltenden Prozess wirtschaftlichen, politischen, sozialen und ethischen Verfalls durchläuft, dessen Folgen sich im Alltag von Millionen Bürgern widerspiegeln. Die zentrale Frage der Analyse ist direkt: Hat die 4T die Lebensbedingungen im Land verbessert oder seine Krise vertieft? Die Antwort, gestützt auf offizielle Zahlen und dokumentierte Fakten, lautet: Mexiko ist verarmt und degradiert.
Auf wirtschaftlicher Ebene hebt der Bericht hervor, dass sich die nationale Staatsverschuldung in acht Jahren verdoppelt hat – von 10,5 Billionen Pesos im Jahr 2018 auf 19,9 Billionen im Jahr 2026, mit Prognosen von 21,8 Billionen für 2027. Diese Verschuldung, von Experten als „monumental“ und „katastrophal“ bezeichnet, belastet die Zukunft ganzer Generationen. Die Finanzierungskosten der Schulden beliefen sich 2026 auf 1,57 Billionen Pesos – Mittel, die nicht in Bildung, Gesundheit oder Infrastruktur flossen, sondern in Zins- und Gebührenzahlungen. Hinzu kommt die Stagnation des Pro-Kopf-BIP, das 2025 auf dem Niveau von 2017 lag und damit eine Verschlechterung der Kaufkraft der Familien widerspiegelt. Weder Sozialprogramme noch Mindestlohnerhöhungen konnten diese Entwicklung umkehren: Die Mexikaner befinden sich in derselben Lage wie vor fast einem Jahrzehnt.
Das Dokument warnt, dass die offiziellen Wachstumsprognosen für 2027 von 1,5 bis 2,5 % illusorisch seien. Ohne private Investitionen, ohne internationales Vertrauen und mit einem in der Krise steckenden USMCA bleibe das Land in einem Teufelskreis gefangen: weniger Unternehmen, weniger formale Beschäftigung, weniger Steuereinnahmen und mehr Druck auf die öffentlichen Finanzen. Das Observatorio prangert zudem den „fiskalischen Terrorismus“ gegen Großunternehmen an, der von der Regierung als Umverteilungsgerechtigkeit dargestellt werde, in Wahrheit aber Investitionen hemme und Unsicherheit schüre. Die Zusammenarbeit mit China bei umetikettierten Fertigungsprodukten und die Produktion von Fentanyl für den Export in die Vereinigten Staaten werden als weitere Faktoren genannt, die Wirtschaft und nationale Souveränität zusätzlich gefährden.
Die politische Degradierung ist ein weiterer Schwerpunkt des Berichts. Das Observatorio beschreibt einen Staat, der sich in eine „Operetten-Farce“ verwandelt habe, in dem republikanische Institutionen wie der Oberste Gerichtshof, das INE und das TEPJF geschwächt oder von parteipolitischen Interessen vereinnahmt worden seien. Erwähnt werden der Vorschlag, die Rechtskraft von Urteilen aufzuheben, die Manipulation des Rechts auf Gegendarstellung zugunsten der öffentlichen Hand sowie der Rücktritt zentraler Figuren während des Wahlprozesses 2027 – alles Symptome eines beispiellosen institutionellen Verfalls. Das Dokument kritisiert zudem die ungesühnte Beteiligung des organisierten Verbrechens an früheren Wahlen und den Versuch, diejenigen zum Schweigen zu bringen, die MORENA als „Narco-Partei“ bezeichnen.
Bildungs- und ethische Armut vervollständigen die Diagnose. Der Bericht erinnert daran, dass Mexiko bei der PISA-Studie 2025 den 64. Platz belegte und damit unter dem OECD-Durchschnitt lag. Die Nueva Escuela Mexicana, beeinflusst von marxistischen und chavistischen Ideologien, wird als Verantwortliche für den Bildungsverfall genannt. Gleichzeitig werden Korruptionsfälle in den Streitkräften und in der Familie des ehemaligen Präsidenten López Obrador dokumentiert, deren Kinder und Verwandte die Präsidentschaft genutzt haben sollen, um Vorteile in strategischen Sektoren wie Energie, Telekommunikation und Bergbau zu erlangen. Das Observatorio bezeichnet diese Situation als „ethische Armut“ der Amtsträger, die die Glaubwürdigkeit des Staates untergräbt.
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass Mexiko vor der Konsolidierung eines „Narco-Staates“ steht, errichtet von der MORENA-Elite in Allianz mit dem organisierten Verbrechen. Diese Allianz, so das Dokument, habe Teile des Staatsgebiets und der nationalen Souveränität an kriminelle Gruppen übergeben, die Steuern erheben und Gewalt gegen Bürger ausüben. Angesichts dessen erscheine die Zivilgesellschaft geschwächt, das Unternehmertum domestiziert, die Wissenschaft zum Schweigen gebracht, die katholische Kirche neutral, die Medien vereinnahmt und zivilgesellschaftliche Organisationen systematisch angegriffen. Nur wenige Ausnahmen, wie COPARMEX, Reforma, Proceso oder Mexicanos Contra la Corrupción, behielten eine kritische Stimme – allerdings unzureichend, um den Verfall aufzuhalten.
Die Empfehlungen des Observatorio sind klar und appellieren an die Verantwortung der Bürger. Erstens: die offiziellen Daten sorgfältig analysieren, um festzustellen, ob sich das Land verbessert oder verschlechtert hat. Zweitens: diese Analysen mit anderen Bürgern teilen, leidenschaftslos diskutieren und kritische Bewusstseinsbildung fördern. Drittens: die Hoffnung auf Verbesserung wachhalten, aber erkennen, dass dies das Engagement Tausender Bürger erfordert, um die politische Trägheit bei den Wahlen 2027 umzukehren. Die große Schlacht, so das Dokument, bestehe darin zu entscheiden, ob der Narco-Staat konsolidiert oder ein Prozess der Erneuerung des öffentlichen Lebens eingeleitet wird.
Zusammenfassend ist der Bericht Nummer 72 des Observatorio de Ciudadanía Católica y Análisis Social eine deutliche Anklage des wirtschaftlichen, politischen, bildungspolitischen und ethischen Verfalls Mexikos unter der 4T. Seine Lektüre lädt zu einem Akt bürgerschaftlicher Verantwortung ein: die Realität anzuerkennen, Transparenz einzufordern und aktiv am Aufbau eines gerechteren und freieren Landes mitzuwirken. Das Dilemma ist gestellt, und die unmittelbare Zukunft hängt von der Fähigkeit der Gesellschaft ab, dem Verfall entgegenzutreten und die nationale Würde zurückzugewinnen.
Den vollständigen Bericht können Sie hier lesen.