Die Universität Göttingen in Deutschland hat ein Projekt gestartet, um mit digitalen Werkzeugen die berühmte Carta de Madaba näherzubringen, die als älteste erhaltene kartografische Darstellung des Heiligen Landes gilt. Studierende der Einrichtung arbeiten an verschiedenen interaktiven Formaten, die es ermöglichen, das Mosaik zu erkunden und zu verstehen, wie die Christen der Spätantike die mit der biblischen Geschichte verbundenen Orte darstellten.
Die Carta de Madaba ist Teil eines großen Bodenmosaiks aus dem 6. Jahrhundert, das in der Georgskirche in der jordanischen Stadt Madaba erhalten ist. Es besteht aus Tausenden kleiner Stücke und zeigt Städte, Landschaften und Pilgerstätten in einem Gebiet, das sich vom heutigen Libanon bis zum Nildelta erstreckt.
Jerusalem in einem Mosaik des 6. Jahrhunderts
Eines der herausragenden Elemente des Werks ist die Darstellung Jerusalems, die mit zahlreichen städtischen Details wiedergegeben wird. Darin erscheinen die Mauern der Heiligen Stadt, ihre Tore, Straßen und einige ihrer wichtigsten Gebäude.
Der Wert des Mosaiks liegt nicht allein in seinem Alter. Das Werk ermöglicht es, sich der heiligen Geografie so zu nähern, wie sie von den Christen der Spätantike konzipiert wurde, mehrere Jahrhunderte nach dem Tod und der Auferstehung Christi.
„Auf diese Weise wird deutlich, wie man sich in der Spätantike die biblische Landschaft vorstellte“, erklärt Jon C. Cubas Díaz, Archäologe und Kunsthistoriker und Leiter des von der Universität Göttingen geförderten Projekts.
Die deutsche Einrichtung bewahrt in den Sammlungen ihres Archäologischen Instituts eine großformatige Kopie der Carta de Madaba. Diese Reproduktion wurde in den 1970er Jahren anhand von direkt vom Original genommenen Abgüssen angefertigt und bildet nun die Grundlage des neuen akademischen Projekts.
Ein virtueller Rundgang durch die Kirche von Madaba
Die Studierenden arbeiten sowohl an der historischen Untersuchung dieser Reproduktion als auch an neuen Möglichkeiten, das Mosaik verschiedenen Zielgruppen zu präsentieren. Das Projekt richtet sich an Schüler, Besucher, Kirchengemeinden und Fachleute.
Zu den geplanten Initiativen gehören interaktive Stationen mit hochauflösenden Bildern und Virtual-Reality-Elementen, die einen digitalen Besuch der Georgskirche in Madaba ermöglichen, in der sich das Originalmosaik befindet.
Die Forscher werden außerdem die in der in Göttingen erhaltenen Reproduktion verwendeten Materialien, die Umstände ihrer Entstehung und die damit verbundene Archivdokumentation untersuchen. Laut Cubas Díaz stellt die Kopie nicht nur ein Ausstellungsstück dar, sondern auch ein Zeugnis der eigenen Forschungsgeschichte zur Carta de Madaba.
Das Projekt mit dem Namen „En el mapa hacia Jerusalén. La Carta de Madaba en Göttingen: copia, contexto y divulgación de un mosaico de la Antigüedad tardía“ wird mit 10.000 Euro von der Novus-Stiftung finanziert. Die Mittel werden für Ausstellungsgeräte und Multimediatechnik verwendet, die anschließend in den Sammlungen der Universität verbleiben.