Tag 3. Steigen wir mit Maria auf den Berg Karmel

Tag 3. Steigen wir mit Maria auf den Berg Karmel

Maria, Stern der Nacht, der den Geliebten führt

O Nacht, die du geführt hast! 

O Nacht, freundlicher als die Morgenröte! 

O Nacht, die du vereint hast 

den Geliebten mit der Geliebten, 

die Geliebte in den Geliebten verwandelt! 

(Dunkle Nacht, 5).

 

Allerheiligste Jungfrau vom Berge Karmel, Stern der Nacht, verborgenes Licht, das niemals aufhört zu leuchten, wenn die Augen den Weg nicht mehr erkennen können; Mutter, die du fest geblieben bist, als alles am Fuße des Kreuzes zusammenzubrechen schien; du, die du geglaubt hast, als die Jünger wankten, gehofft hast, als alle Hoffnung verloren schien, und geliebt hast, als der Hass zu siegen schien, nimm heute meine Hand und führe mich durch jene gesegnete Nacht, die dein Sohn Johannes vom Kreuz zu lieben lernte, weil er verstand, dass es nicht die Nacht ist, die von Gott entfernt, sondern das trügerische Licht der Eigenliebe; dass es nicht die Dunkelheit ist, die die Seele verliert, sondern der Wunsch, mit einer anderen Führung als dem Glauben zu gehen, jener geheimen Flamme, die der Heilige Geist stets lebendig erhält im Herzen derer, die sich ganz dem Vater überlassen.

Lass nicht zu, meine Mutter, dass ich erschrecke, wenn die Stunde der Läuterungen kommt. Wenn der Geliebte sein Antlitz zu verbergen scheint, lass mich ihn mit größerem Verlangen suchen; wenn er schweigt, lehre mich, sein Schweigen zu hören; wenn er mein Herz mit der Sehnsucht nach seiner Gegenwart verwundet, lass diese Wunde zu einem offenen Fenster zum Himmel werden. Denn ich weiß, dass der Vater die Reben beschneidet, die er liebt, damit sie mehr Frucht bringen; dass das Wort die Seele von allem entkleidet, was nicht Er ist, um sie mit seiner eigenen Schönheit zu bekleiden; und dass der Heilige Geist langsam, wie eine lebendige Flamme, alles verzehrt, was verhindert, dass die Kreatur ganz Gottes ist.

Du kennst das Geheimnis der Nacht, denn auch dein Herz hat das Geheimnis des Karfreitags durchschritten. Niemand wie du hat das Schweigen des Vaters erfahren, während der Sohn seinen Geist für das Heil der Welt hingab. Niemand wie du ist aufrecht geblieben, als es schien, als wäre alles Licht erloschen. Lehre mich jene ruhige Stärke, die nicht aus den eigenen Kräften geboren wird, sondern aus dem absoluten Vertrauen in die göttliche Treue. Dass ich die Liebe Gottes niemals nach dem messe, was ich fühle, sondern nach dem vergossenen Blut Jesu Christi; dass ich seine Gegenwart nicht nach meinen Tröstungen beurteile, sondern nach der Verheißung, dass er bei uns bleiben wird alle Tage bis ans Ende der Welt.

Mutter des Karmel, lass mich keine Nacht vergeuden. Lass die kleinen Dunkelheiten eines jeden Tages – die Müdigkeit, die Krankheit, der Widerspruch, das Unverständnis, das verborgene Scheitern, das trockene Gebet, das lange Warten – für mich Stufen des heiligen Berges sein und keine Stolpersteine. Lass mich lernen, den Vater zu segnen, wenn ich seine Wege nicht verstehe, mich an Christus zu klammern, wenn alles mich einlädt, vor dem Kreuz zu fliehen, und mich vom Heiligen Geist führen zu lassen, wenn ich keine Stütze mehr in meinen eigenen Lichtern finde. Dann werde ich entdecken, dass die Nacht keine Strafe war, sondern eine Barmherzigkeit; kein Verlassen, sondern eine Vorbereitung; keine Leere, sondern die geheime Werkstatt, in der Gott die Seele in den Geliebten verwandelte.

Und wenn ich durch deine mütterliche Hand den Gipfel erreiche, wo alle Schatten verschwinden, lass mich endlich verstehen, warum der heilige Doktor des Karmel die Nacht in Liebe entflammt nannte. Dort wird der Glaube aufhören, weil sich die Schau öffnet; die Hoffnung wird aufhören, weil die Besitzergreifung kommt; nur die Liebe wird bleiben, jene ewige Liebe, mit der der Vater den Sohn zeugt und der Heilige Geist als unendliche Umarmung beider hervorgeht. Führe mich dann in jene stille Musik und jene klingende Einsamkeit ein, wo die Seele, schon ihrer selbst vergessen, für immer in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit ruhen wird, während sie das verherrlichte Antlitz Jesu Christi betrachtet und dich ewig segnet, Jungfrau vom Berge Karmel, die du sie von Stern zu Stern bis zum Morgengrauen ohne Untergang des Reiches geführt hast.

Unsere Liebe Frau vom Berge Karmel, Stern der Nacht, führe mich durch den Glauben, bis ich für immer in den Geliebten verwandelt bin. Amen.

 

Von: Msgr. Alberto José González Chaves

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