Der Bau der ersten großen Moschee in Sevilla könnte diesen Freitag einen entscheidenden Schritt machen. Die Stadtplanungskommission des Stadtrats von Sevilla plant, über die Baugenehmigung für das von der Fundación Mezquita de Sevilla geförderte Projekt zu entscheiden – eine Initiative, die nach mehr als zwei Jahrzehnten erfolgloser Versuche nun in die Endphase der Verwaltungsverfahren eintritt.
Das Projekt sieht den Bau eines islamischen Kulturzentrums auf einem privaten Grundstück von etwa 2.500 Quadratmetern vor, das sich neben dem Polígono Sur zwischen den Straßen Poeta Manuel Benítez Carrasco und Ronda Nuestra Señora de la Oliva, in der Nähe des Parks José Celestino Mutis, befindet.
Wie El Confidencial berichtet, musste die ursprünglich für diese Woche geplante Genehmigung wegen eines Computerproblems verschoben werden, das eine Abstimmung über den Antrag verhinderte. Der Stadtrat hat angekündigt, dass das Thema in der Sitzung am Freitag erneut behandelt wird.
Ein Komplex mit Moschee, Kulturzentrum und weiteren Einrichtungen
Der geplante Komplex umfasst eine Moschee mit Platz für 400 bis 500 Personen, die etwa 20 % der bebauten Fläche einnehmen wird. Der Rest des Gebäudes ist für Unterrichtsräume, Besprechungszimmer, eine Cafeteria, Coworking-Bereiche, begrünte Innenhöfe und weitere kulturelle und soziale Einrichtungen vorgesehen.
Laut ABC de Sevilla übersteigt die geplante Investition zehn Millionen Euro und wird durch private Finanzierung gedeckt. Das Grundstück wurde ebenfalls von der Fundación Mezquita de Sevilla erworben, um die Schwierigkeiten zu vermeiden, die frühere Projekte auf öffentlichem Grund scheitern ließen.
Der Vizepräsident der Stiftung, Jalid Nieto, erklärte gegenüber ABC, dass der zukünftige Komplex „ein für die Stadt Sevilla und alle Sevillaner offenes Zentrum“ sein soll, und betonte, dass die Finanzierung „ausschließlich mit privaten Mitteln ohne Einfluss von Regierungen“ erfolgen werde.
Die Fundación Mezquita de Sevilla hat zudem Infografiken des geplanten Kulturzentrums veröffentlicht, weist jedoch darauf hin, dass die Entwürfe nicht endgültig sind und architektonische, dekorative und innere Details erst in einer späteren Phase festgelegt werden. Das Design stammt vom sevillanischen Architekten Guillermo Vázquez Consuegra und sieht eine zeitgenössische Architektur mit Anleihen an das andalusische Erbe vor, einschließlich dekorativer Elemente der Giralda und eines Minaretts.
Mehr als zwanzig Jahre unvollendeter Projekte
Der Wunsch, eine große Moschee in Sevilla zu bauen, ist nicht neu. Der erste Versuch geht auf das Jahr 2004 zurück, als der Stadtrat die Abtretung eines Grundstücks im Stadtteil Los Bermejales für den Bau einer islamischen Kultstätte genehmigte.
Die Initiative wurde aufgrund des Widerstands der Anwohner und eines späteren Urteils des Obersten Gerichtshofs von Andalusien nicht umgesetzt. Später wurden weitere Standorte geprüft, darunter Santa Bárbara und Pino Montano, die ebenfalls nicht realisiert wurden.
Derzeit verfügt die muslimische Gemeinde über etwa dreißig Gebetsräume in verschiedenen Stadtteilen Sevillas, die größtenteils in Geschäfts- oder Lagerflächen untergebracht sind, jedoch gibt es kein Gebäude, das speziell für diesen Zweck neu errichtet wurde.
Politische Debatte um das Projekt
Die Bearbeitung des Antrags hat die politische Debatte im Stadtrat von Sevilla erneut entfacht. Der parlamentarische Sprecher von Vox, Manuel Gavira, erklärte, seine Partei werde „alles tun, um das Projekt zu stoppen“, da es die Ausbreitung des Islam in der Stadt begünstige. Die Stadtratsfraktion hat zudem die Sinnhaftigkeit der Initiative in Frage gestellt und mehr öffentliche Informationen über den Antrag gefordert.
Die Fundación Mezquita de Sevilla betont hingegen, dass das Projekt den städtebaulichen Vorschriften entspricht und eine vollständig von einer privaten Einrichtung auf privatem Grund initiierte Maßnahme darstellt. Die Stiftung verteidigt zudem, dass der Komplex als Ort des Gebets, der Bildung und kultureller Aktivitäten für die muslimische Gemeinde Sevillas dienen soll.
Eine Stadt mit religiöser Geschichte
Während der islamischen Epoche verfügte Isbiliya über zwei große Moscheen, von denen noch Überreste erhalten sind: die Reste des Hofs der ehemaligen Hauptmoschee, die in die Kirche El Salvador integriert sind, und die Giralda, der ehemalige Minarett der almohadischen Hauptmoschee, die nach der Rückeroberung der Stadt durch Ferdinand III. im Jahr 1248 in die Kathedrale eingegliedert wurde.
Sollte die Stadtplanungskommission die Baugenehmigung erteilen, wird das Projekt im Polígono Sur zur ersten großen Moschee in Sevilla werden, die ihre Verwaltungsverfahren erfolgreich abschließt.