Papst Leo XIV wird am 24. Juni im Vatikan etwa zwanzig der bekanntesten Schriftsteller der zeitgenössischen Literatur anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Libreria Editrice Vaticana (LEV), des offiziellen Verlags des Heiligen Stuhls, empfangen.
An der Audienz nehmen etwa zwanzig Schriftsteller aus verschiedenen Ländern, kulturellen Traditionen und religiösen Hintergründen teil. Unter den Gästen sticht der Literaturnobelpreisträger 2023, Jon Fosse, hervor, der als eine der wichtigsten Stimmen der zeitgenössischen europäischen Literatur gilt.
An seiner Seite werden die US-amerikanischen Romanautorinnen Marilynne Robinson und Elizabeth Strout, der französische Schriftsteller Eric-Emmanuel Schmitt, der Rumäne Mircea Cărtărescu, Jonathan Safran Foer, Colum McCann, Sorj Chalandon, Vittorio Lingiardi, Daniele Mencarelli, Enrico Brizzi sowie die spanische Schriftstellerin Julia Navarro, eine der meistgelesenen Autorinnen spanischer Sprache der letzten Jahrzehnte, erwartet.
An der Begegnung werden auch mehrere Autoren teilnehmen, die eng mit der Libreria Editrice Vaticana verbunden sind, darunter der französische Dominikaner Adrien Candiard sowie Eraldo Affinati und Paolo Malaguti, deren Werke im Verlag des Heiligen Stuhls erschienen sind.
Eine Schlüsselinstitution zur Verbreitung des päpstlichen Lehramts
Die Zusammenkunft dient der Feier des hundertjährigen Bestehens der Libreria Editrice Vaticana, die 1926 unter dem Pontifikat Pius’ XI. mit dem Auftrag gegründet wurde, die Dokumente des Heiligen Stuhls offiziell zu veröffentlichen und zu verbreiten.
Im Laufe eines Jahrhunderts hat sich die LEV zum wichtigsten Verlag des Vatikans entwickelt und ist für die Herausgabe von Enzykliken, Apostolischen Schreiben, päpstlichen Ansprachen, Dokumenten der römischen Dikasterien, Konzilsakten sowie zahlreichen theologischen, historischen und spirituellen Werken zuständig.
Darüber hinaus hat der Verlag die Schriften der letzten Päpste von Pius XII. bis Leo XIV. veröffentlicht, darunter auch die des heiligen Johannes Paul II., dessen umfangreiches Lehramt wesentlich zur internationalen Ausstrahlung der Institution beigetragen hat.
Derzeit werden die Veröffentlichungen in zahlreiche Sprachen übersetzt und gelten als Standardwerke an katholischen Universitäten, Seminaren und Forschungseinrichtungen weltweit.
Das erste große kulturelle Zeichen des Pontifikats
Die Auswahl von Schriftstellern aus sehr unterschiedlichen religiösen, kulturellen und intellektuellen Traditionen hat bei den vatikanischen Beobachtern besondere Aufmerksamkeit erregt.
Über die verlegerische Gedenkfeier hinaus scheint die Audienz eine Botschaft darüber zu vermitteln, welchen Stellenwert Leo XIV. der Kultur in seinem Pontifikat einräumen möchte. Seit seiner Wahl hat der Papst mehrfach die Notwendigkeit betont, Brücken zur heutigen Welt zu schlagen, ohne die christliche Identität aufzugeben.
Die Literatur erscheint somit als bevorzugter Raum für die Begegnung zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen sowie für die Reflexion über die großen menschlichen Fragen, die die heutige Gesellschaft weiterhin herausfordern.
Die intellektuelle Tradition der Kirche
Die Initiative steht zudem in einer langen Tradition des Dialogs zwischen der Kirche und der Welt der Literatur. Von den mittelalterlichen Klöstern, die das europäische Kulturerbe bewahrten, bis hin zu den unter kirchlichem Einfluss entstandenen Universitäten war die Weitergabe des Wissens stets ein wesentlicher Bestandteil der Sendung der Kirche.
In diesem Zusammenhang beschränkt sich die Hundertjahrfeier der LEV nicht darauf, eine Verlagsinstitution in Erinnerung zu rufen, sondern bekräftigt den Wert des geschriebenen Wortes als Instrument der Wahrheitssuche, der Glaubensweitergabe und der Kulturgestaltung.