Die Delegation der Deutschen Bischofskonferenz, die kürzlich Frankreich besucht hat, um den Aufschwung der Erwachsenentaufen zu untersuchen, kehrte mit mehreren Erkenntnissen zurück, die Folgen für die Pastoral in Deutschland haben könnten. Über die Rekordzahlen von Konversionen im Nachbarland hinaus stellten die Experten fest, dass die französischen Pfarreien einen Wandel erleben, der durch Menschen ausgelöst wird, die aus eigenem Antrieb den Glauben suchen.
In einem Interview mit der katholischen Nachrichtenagentur KNA erläuterten die Professorinnen und Professoren Katharina Karl von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Jan Loffeld von der Universität Utrecht die wichtigsten Erkenntnisse ihrer Reise, die sie gemeinsam mit einer Delegation der Deutschen Bischofskonferenz unternommen hatten.
Die Pfarreien bleiben das Einfallstor zur Kirche
Eine der Erkenntnisse, die die Besucher besonders beeindruckten, war die Feststellung, dass die Pfarrei trotz Säkularisierung und Schwächung vieler kirchlicher Strukturen weiterhin der Ort ist, an den sich Menschen wenden, die sich dem Glauben nähern möchten.
Loffeld erklärte, dass zahlreiche Katechumenen in der örtlichen Pfarrei ihren ersten echten Kontakt zur Kirche finden. Er erinnerte sogar an den Fall einer Person, die wochenlang um eine Kirche herumgelaufen war, bevor sie sich entschloss, einzutreten.
Diese Feststellung hat die Experten dazu veranlasst, vor der Versuchung zu warnen, die traditionellen Pfarrstrukturen als überholt anzusehen. Auch wenn viele von ihnen Schwierigkeiten durchmachen, erfüllen sie weiterhin eine entscheidende Funktion für Menschen, die spirituelle Antworten suchen.
Die neuen Konvertiten suchen Sinn und Transzendenz
Den während des Besuchs gesammelten Zeugnissen zufolge kommen die meisten Menschen, die um die Taufe bitten, nicht aus kulturellen oder familiären Gründen, sondern aus einer persönlichen Sinnsuche.
Katharina Karl erklärte, dass viele Menschen existenzielle Krisen durchleben oder ein tiefes Bedürfnis nach Orientierung in einer immer komplexeren Gesellschaft verspüren. In diesem Kontext entdecken sie im christlichen Glauben eine Antwort auf grundlegende Fragen nach dem Leben, dem Leiden oder der Zukunft.
Einige der neuen Katechumenen berichteten von einem Gefühl des Friedens während der Teilnahme an der Liturgie, während andere von sehr intensiven spirituellen Erfahrungen sprachen, die sie dazu bewegten, sich der Kirche zu nähern.
Die Weitergabe des Glaubens hängt nicht mehr von der Familie ab
Eine weitere beobachtete Veränderung betrifft die Art und Weise, wie der Glaube an die neuen Generationen weitergegeben wird.
Die Experten stellten fest, dass viele junge Menschen über Freunde, Kollegen oder Kontakte in sozialen Netzwerken zur Kirche finden. In zahlreichen Fällen wurde die familiäre Weitergabe des Glaubens bereits vor ein oder zwei Generationen unterbrochen.
Auch wenn einige Katechumenen den Einfluss ihrer Großeltern als ferne Erinnerung erwähnen, die ihr religiöses Interesse geweckt hat, ist die vorherrschende Realität, dass die spirituelle Suche sehr persönlich verläuft, bevor sie zu einem Kontakt mit einer christlichen Gemeinschaft führt.
Das Katechumenat verändert die Gemeinden
Die wachsende Zahl von Erwachsenen, die sich taufen lassen möchten, zwingt auch dazu, das Pfarrleben neu zu gestalten.
Die französischen Diözesen haben spezielle Katechumenatsgruppen, Systeme der persönlichen Begleitung und verschiedene Aufnahmeriten entwickelt, um diejenigen zu integrieren, die sich auf den Empfang der Sakramente vorbereiten.
Für Loffeld löst dieses Phänomen eine echte „katechumenale Transformation“ der Gemeinden aus. Wenn eine Pfarrei jedes Jahr eine signifikante Zahl von Taufkandidaten aufnimmt, kann sie sich nicht mehr darauf beschränken, sie informell zu integrieren, sondern muss Teile ihrer pastoralen Tätigkeit neu organisieren, um sie angemessen zu begleiten.
Eine Lehre für die Kirche in Deutschland
Sowohl Karl als auch Loffeld betonen, dass die französische Erfahrung nicht mechanisch auf Deutschland übertragen werden kann. Dennoch sehen sie darin wertvolle Erkenntnisse für eine Kirche, die sich ebenfalls einer wachsenden kulturellen Distanz zum Christentum gegenübersieht.
Die beiden Experten unterstreichen die Notwendigkeit, die Gastfreundschaft zu stärken, die Begleitprozesse zu verbessern und zu lernen, den konkreten Fragen der Menschen, die an die Türen der Kirche klopfen, zuzuhören, ohne von vornherein zu unterstellen, worin ihre Anliegen bestehen.
Die wichtigste Erkenntnis der Reise lässt sich vielleicht in einer einfachen Feststellung zusammenfassen: Auch in einer tief säkularisierten Gesellschaft gibt es weiterhin Menschen, die nach Gott suchen. Die Frage, so die deutschen Experten, ist, ob die Pfarreien bereit sein werden, sie aufzunehmen, wenn sie kommen.