Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, JD Vance, lobte diese Woche die neue Enzyklika von Leo XIV., die den ethischen Herausforderungen der künstlichen Intelligenz gewidmet ist, und erklärte, die Kirche könne angesichts des Fortschritts neuer Technologien eine entscheidende Rolle moralischer Führung übernehmen.
In einem Interview mit NBC News versicherte Vance, Auszüge und Zusammenfassungen des kürzlich vom Papst veröffentlichten Dokuments gelesen zu haben, und bezeichnete den Text als „tiefgründig“ und „das, was man von einem Kirchenführer erwartet“.
„Die Kirche muss die Soziallehre angesichts der neuen Welt überdenken“
Während des Gesprächs vertrat Vance die Auffassung, dass die moralischen Prinzipien stabil bleiben, ihre Anwendung jedoch auf die historischen und technologischen Veränderungen reagieren müsse.
Der Vizepräsident wies darauf hin, dass Phänomene wie die künstliche Intelligenz oder neue Formen der Kriegsführung eine Neubewertung konkreter Aspekte der Soziallehre und der christlichen moralischen Tradition erfordern.
In diesem Zusammenhang interpretierte er die Enzyklika von Leo XIV. als Versuch, ethische Kriterien für die Bewältigung der Herausforderungen einer neuen technologischen Phase anzubieten, die durch die rasante Entwicklung der KI geprägt ist.
Die Beteiligung von Anthropic und der Dialog mit Silicon Valley
Die Veröffentlichung der Enzyklika wurde von der Teilnahme Christopher Olahs, Mitbegründer von Anthropic, einem der führenden Unternehmen im Bereich der künstlichen Intelligenz, begleitet.
Die Präsenz des Unternehmens bei der Präsentation erregte in den Vereinigten Staaten Aufmerksamkeit, da zwischen Anthropic und der Regierung Donald Trumps bestehende Spannungen bestehen. Laut NBC News ordnete die US-Regierung kürzlich verschiedenen Behörden an, die Technologien des Unternehmens nicht mehr zu nutzen, nachdem es zu Meinungsverschiedenheiten im Zusammenhang mit dem militärischen Zugang zu seinen Systemen gekommen war.
Parallel dazu scheint der Vatikan bereit, einen breiteren Dialog mit dem Technologiesektor zu eröffnen. Pater Brendan McGuire, Pfarrer in Silicon Valley und eine der an der Präsentation der Enzyklika Magnifica humanitas beteiligten Stimmen, erklärte, das Ziel sei nun die Schaffung von „Kreisen der Weisheit“, Begegnungsräumen, in denen Experten, Unternehmen und Bürger einander zuhören können.
McGuire versicherte, dass weitere Treffen bereits geplant seien und die Absicht bestehe, in naher Zukunft eine Delegation nach Silicon Valley zu entsenden, um die Gespräche mit der Technologiewelt zu erweitern.
Leo XIV. und das „Zeitalter der künstlichen Intelligenz“
Nach Ansicht des Vizepräsidenten steht der neue Papst nun vor einer vergleichbaren Herausforderung zu Beginn des Zeitalters der künstlichen Intelligenz. Daher sei er der Meinung, dass die Kirche die notwendige moralische Orientierung bieten könne, um Fragen im Zusammenhang mit Arbeit, menschlichen Beziehungen und bewaffneten Konflikten im neuen technologischen Kontext anzugehen.
Obwohl Vance sich traditionell für die Entwicklung der künstlichen Intelligenz ausgesprochen und eine übermäßige staatliche Regulierung kritisiert hat, hat er in den letzten Monaten eine vorsichtigere Haltung eingenommen angesichts der wachsenden öffentlichen Besorgnis über die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Technologien.
In dem Interview betonte er, dass die KI tiefgreifende Fragen zur Zukunft der Arbeit, der menschlichen Interaktion und der internationalen Sicherheit aufwerfe – Fragen, für die er eine solide moralische Referenz für notwendig halte.