Schönborn erinnert sich an die theologische Krise, die er nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erlebte: „Ich fühlte, wie der Boden unter meinen Füßen wegbrach“

Schönborn erinnert sich an die theologische Krise, die er nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erlebte: „Ich fühlte, wie der Boden unter meinen Füßen wegbrach“

Der Kardinal Christoph Schönborn hat an die tiefen theologischen und kirchlichen Spannungen erinnert, die seine ersten Ausbildungsjahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil prägten – eine Phase, die, wie er gestand, seinen eigenen Glauben in eine Krise stürzte.

In einer Reflexion, die von Vatican News veröffentlicht wurde, blickte der emeritierte Erzbischof von Wien insbesondere auf seine Zeit als Professor für Dogmatik an der Universität Freiburg (Schweiz) zurück, wo er ab 1975 lehrte, sowie auf das theologische Klima, das die Jahrzehnte nach dem Konzil prägte.

Schönborn erklärte, dass er während seines Theologiestudiums in Köln, das er 1967 begann, von bestimmten theologischen Strömungen tief beeindruckt war, die zentrale Elemente des christlichen Glaubens relativierten.

„Mit Staunen habe ich erlebt, was dort verteidigt wurde; teils fasziniert, teils mit dem Gefühl, dass mir der Boden unter den Füßen weggezogen wurde“, sagte der Kardinal.

Die Auferstehung Christi in Frage gestellt

Zu den Aspekten, die ihn am meisten berührten, zählte Schönborn bestimmte theologische Interpretationen, die die Auferstehung Christi auf eine bloße symbolische Fortsetzung der Absichten Jesu in seinen Jüngern reduzierten.

Laut seiner Schilderung führte diese Neuinterpretation eines der Grundpfeiler des Christentums dazu, dass er seinen eigenen Glaubensweg und seine priesterliche Berufung ernsthaft infrage stellte.

Der damalige junge Dominikaner teilte sogar seinen religiösen Oberen mit, dass er in jener Situation Gefahr lief, den Glauben zu verlieren, wenn er in Deutschland blieb.

Spannungen an der Universität Freiburg

Auch die anschließende Zeit an der Universität Freiburg blieb nicht ohne Konflikte. Schönborn übernahm die Lehrtätigkeit mit gerade einmal 30 Jahren und musste sich Kritik und Auseinandersetzungen mit einigen Studenten und Professoren wegen seiner theologischen Positionierung stellen.

Der Kardinal räumte ein, dass diese Spannungen schwierig waren, doch versicherte er, dass sie ihm auch halfen, intellektuell zu reifen und die Bedeutung des Glaubensbekenntnisses als stabile Grundlage der theologischen Reflexion zu vertiefen.

Trotz der Kontroversen erinnerte sich Schönborn positiv an seine Jahre in der Schweiz und hob das Interesse hervor, das seine Vorlesungen bei zahlreichen Studenten weckten.

Reflexion über die Krisen in der Kirche

In seiner biografischen Bilanz ging der emeritierte Erzbischof von Wien auch auf die kirchlichen Herausforderungen ein, die er nach seiner Ernennung als Weihbischof von Wien 1991 in Österreich erlebte.

Auf die institutionellen Krisen und die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche in Österreich angesprochen, hob Schönborn die Präventions- und Transparenzmaßnahmen hervor, die in jenen Jahren angestoßen wurden.

In diesem Kontext lobte er besonders die Zusammenarbeit mit seinem ehemaligen Generalvikar Helmut Schüller, der seiner Ansicht nach eine wichtige Rolle bei der Einführung von Aufklärungs- und Präventionsmechanismen innerhalb der österreichischen Kirche spielte.

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