Die jüngsten Initiativen in Deutschland bezüglich Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare erzeugen weiterhin Reaktionen innerhalb der Kirche. Der Weihbischof von Astana, Monsignore Athanasius Schneider, hat scharfe Kritik an Kardinal Reinhard Marx geübt, weil er solche Praktiken fördert, und gleichzeitig angeprangert, was er als einen Prozess der „Protestantisierung“ im kirchlichen Leben betrachtet.
In Aussagen an Gloria TV bezeichnete Schneider die Anweisung, Segnungen für homosexuelle Paare zu erlauben oder durchzuführen, als „völlig unverantwortlich“, da er meint, dass diese eine öffentliche Validierung von Verhaltensweisen darstellen, die der katholischen Lehre widersprechen.
Kritik an den Segnungen und Vorwurf der „Blasphemie“
Der Prälat war besonders nachdrücklich, als er sich auf die Möglichkeit bezog, dass solche Segnungen im pastoralen Leben normalisiert werden. Seiner Ansicht nach bedeutet es eine schwere Verzerrung des Sinns der Segnung in der Kirche, sie zur üblichen Praxis zu machen.
„Daraus eine Art Pflicht zu machen, ist eine Verhöhnung und Blasphemie“, betonte er und fügte hinzu, dass es sich um „eine schwere Sünde“ handelt, wenn ein Kardinal dies fördert.
Anklage eines Doppelmessstandards in der Kirche
Jenseits dieser Frage wies Schneider auf das hin, was er als ungleiche Anwendung der kirchlichen Disziplin betrachtet. Als Beispiel nannte er die Teilnahme eines US-amerikanischen Bischofs an einer anglikanischen Bischofsweihe, die er als ungültig bezeichnete.
Laut dem Bischof werden solche Handlungen nicht sanktioniert, während andere Situationen – wie Bischofsweihen in traditionellen Kreisen – mit größerer Strenge behandelt werden. „Alles, was zu traditionell ist, wird unter die Lupe genommen, während andere Fakten ohne Konsequenzen bleiben“, betonte er.
Die Ausbreitung irregulärer liturgischer Praktiken
Der Weihbischof von Astana warnte auch vor der Verbreitung von Praktiken, die seiner Meinung nach die katholische liturgische Identität verwischen. Er bezog sich unter anderem auf die zunehmende Präsenz von Frauen, die Feiern leiten, die der Messe ähneln, sowie auf die Verwechslung verschiedener Arten von Riten.
Dieses Phänomen, so betonte er, könnte zu einem progressiven Verlust der Fähigkeit der Gläubigen führen, zwischen der Eucharistie und anderen Formen der gemeinschaftlichen Gebets zusammen zu unterscheiden.
„Protestantisierung“ und Verantwortung Roms
In diesem Kontext stellte Schneider fest, dass die Kirche einen Prozess der Anpassung an die moderne Welt durchläuft, der seiner Ansicht nach doktrinären Relativismus und religiösen Synkretismus impliziert. „Es handelt sich um eine klare Protestantisierung des katholischen Glaubens und Lebens“, betonte er.
Der Bischof unterstrich zudem die Verantwortung des Heiligen Stuhls, da er der Ansicht ist, dass er sich dieser Situationen bewusst ist, aber keine ausreichenden disziplinarischen Maßnahmen gegenüber bestimmten Verhaltensweisen ergreift.
Deutschland als Epizentrum der Krise
Schließlich sah Schneider in Deutschland einen der Hauptfoki dieser Dynamik. Seiner Meinung nach hat das Gewicht der Strukturen der Bischofskonferenz und ihres administrativen Apparats die Verbreitung dieser Praktiken in großem Maßstab begünstigt.
In anderen Ländern, so wies er hin, gäbe es die Probleme zwar, aber in isolierterer und weniger systematischer Form.