Der Besuch von Papst Leo XIV in Bamenda im Nordwesten von Kamerun hinterließ einen der angespanntesten Momente seiner Afrikareise, als die Frage der Polygamie öffentlich vor dem Pontifex in der Kathedrale angesprochen wurde.
Der Vorfall ereignete sich während der Begegnung zum Frieden in Sankt Josef von Bamenda, wo der traditionelle Häuptling von Mankon, Fon Fru Asaah Angwafor IV, eingriff. In seiner Rede dankte der Stammesführer dafür, dass im Rahmen des Synods von 2023 und 2024 den afrikanischen Bischöfen die Untersuchung der Polygamie und ihrer Einordnung in das Leben der Kirche aufgetragen wurde.
Es handelte sich nicht um eine geringfügige Angelegenheit. In Kamerun wie in anderen Ländern des subsaharischen Afrikas ist die Polygamie nicht nur weit verbreitet, sondern legal und Teil tief verwurzelter traditioneller sozialer Strukturen.
Die Erwartung einer Öffnung
Der traditionelle Häuptling ging weiter und machte die Erwartung bestimmter Kreise klar: dass Personen in polygamen Situationen vollständig in die Kirche integriert werden können, ohne „geurteilt oder abgewiesen“ zu werden.
Er erkannte an, dass einige traditionelle Praktiken mit der Zeit verschwunden sind, weil sie mit christlichen Werten unvereinbar waren, vermied es jedoch, die Polygamie klar in diesen Prozess des Verzichts einzuordnen.
Sofortige Reaktion: Buhrufe in der Kathedrale
Die Antwort ließ nicht auf sich warten. Ein Teil der anwesenden Gläubigen reagierte mit Buhrufen und zeigte eine klare Ablehnung jeglicher Andeutung einer Flexibilisierung in dieser Angelegenheit.
Die Szene spiegelte eine komplexe Realität wider: Während die Polygamie in einigen Kontexten Teil des sozialen Gefüges ist, erkennen viele afrikanische Katholiken – fern von einer Relativierung der Lehre – klar die Unvereinbarkeit zwischen dieser Praxis und der christlichen Ehe.
Vor der so direkten Ansprache entschied sich Papst Leo XIV, nicht öffentlich zu antworten. Ein Schweigen in einer von Spannung geladenen Situation mit evidenten doktrinären Implikationen.
Die Position der afrikanischen Kirche: Klarheit ohne Zugeständnisse
Im März veröffentlichte das Symposium der Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar (SECAM) den Abschlussbericht zur pastoralen Herausforderung der Polygamie, in dem die traditionelle Lehre bekräftigt wird.
Das Dokument legt fest, dass polygame Katechumenen nicht getauft werden können, ohne sich zuvor zur Monogamie zu verpflichten. Es handelt sich nicht um eine willkürliche disziplinäre Maßnahme, sondern um eine direkte Folge der Natur der christlichen Ehe.
Die Bischöfe betonen, dass dieser Ansatz nicht ausschließen, sondern mit Geduld und Respekt begleiten soll, ohne auf die Wahrheit zu verzichten. Die Barmherzigkeit, unterstreichen sie, kann nicht von der Bekehrung getrennt werden.