Die Konferenz, die Monsignore Georg Gänswein in Spanien über Benedikt XVI. halten sollte und die im Oktober 2023 abgesagt wurde, wurde schließlich in einem Band veröffentlicht, der von der Fundación Universitaria Española herausgegeben wurde, wie Aciprensa berichtet. Der Text, der zu seiner Zeit nicht öffentlich präsentiert wurde, erscheint nun in schriftlicher Form zusammen mit anderen akademischen Beiträgen.
Die Vorlesung war Teil der Eröffnungsveranstaltung des Aula Joseph Ratzinger und sollte die erste öffentliche Intervention von Gänswein nach seinem Ausscheiden aus der Römischen Kurie und seinem anschließenden diplomatischen Posten sein. Die Absage der Veranstaltung löste damals eine erhebliche Kontroverse in kirchlichen und medialen Kreisen aus.
Ein Sammelband über das Erbe von Benedikt XVI.
Der Text von Gänswein ist im Buch Benedicto XVI, padre de la Iglesia, doctor de la Esperanza enthalten, das verschiedene Konferenzen zur Figur und zum Denken des deutschen Papstes zusammenfasst. An der Publikation beteiligen sich auch andere prominente Persönlichkeiten wie der Kardinal Antonio María Rouco Varela und der Weihbischof von Madrid, Monsignore Juan Antonio Martínez Camino.
Das Werk beleuchtet die theologische, pastorale und spirituelle Dimension des Pontifikats von Benedikt XVI., mit besonderer Berücksichtigung seines intellektuellen Beitrags und der inneren Kohärenz seines Lehramts.
Kritik an der Karikaturisierung von Benedikt XVI.
In seinem Text verurteilt Monsignore Gänswein die verzerrte Lesart, die seiner Meinung nach von der Figur Joseph Ratzingers sowohl außerhalb als auch innerhalb der Kirche vorgenommen wurde. Der Prälat weist darauf hin, dass der deutsche Pontifex anhaltenden Missverständnissen ausgesetzt war, die weder seine Absichten noch die Tiefe seines theologischen Denkens widerspiegeln.
Gegenüber diesen Interpretationen betont der ehemalige persönliche Sekretär des emeritierten Papstes sein Profil als demütiger Hirte, rigoroser Theologe und gläubiger Mensch, der tief in der christlichen Faith verwurzelt ist.
Zentrale Achsen seines theologischen Denkens
Die Konferenz entwickelt mehrere Schlüsselaspekte des Erbes von Benedikt XVI., darunter den Christozentrismus als tragendes Prinzip seiner Theologie, die Zentralität der Liturgie im Leben der Kirche und seine Auffassung des Zweiten Vatikanischen Konzils aus einer Hermeneutik der Kontinuität.
Gänswein hebt auch die Bedeutung der Trilogie Jesús de Nazaret als reife Synthese des ratzingerianischen Denkens hervor sowie die Betonung des deutschen Papstes auf die Beziehung zwischen Glaube und Vernunft, Wahrheit und Freiheit.
Einfacher Glaube und kirchlicher Dienst
Ein weiteres Merkmal, das der Text hervorhebt, ist die ständige Aufmerksamkeit von Benedikt XVI. für den Glauben der einfachen Menschen. Laut Gänswein hat Joseph Ratzinger stets das Ziel verfolgt, den christlichen Glauben in wesentlicher und zugänglicher Weise darzulegen, insbesondere während seines Pontifikats, als Dienst an der Kirche und am Volk Gottes.
Die Veröffentlichung dieser Konferenz trägt so ein neues Element zur Verständnis der Figur Benedikts XVI. bei und öffnet erneut eine Debatte, die mehr als zwei Jahre nach der Absage der Veranstaltung weiterhin Resonanz im spanischen kirchlichen Bereich findet.