Die Feier einer Messe unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Mailand, Mario Delpini, für eine Gruppe katholischer LGBT-Personen mitten in der „Pride“-Woche hat in Italien eine heftige Kontroverse ausgelöst. Die vom sogenannten Gruppo del Guado organisierte Initiative wurde von verschiedenen kirchlichen Kreisen scharf kritisiert, die darin eine zweideutige Botschaft zur katholischen Lehre über Homosexualität sehen.
Laut La Nuova Bussola Quotidiana fand die Feier am vergangenen Freitag in der Kirche San Carlo al Lazzaretto statt, die in einem der traditionell mit der homosexuellen Gemeinschaft verbundenen Viertel Mailands liegt. Die Messe fiel zudem mit dem Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu und mit den Veranstaltungen des Mailänder „Pride“ zusammen.
Eine von Regenbogen-Symbolik geprägte Einladung
Die Kontroverse wurde durch das zur Bewerbung der Feier verwendete Bild weiter angefacht. Das von den Organisatoren verbreitete Plakat zeigte eine mit Regenbogenfarben geschmückte Kirche und kündigte die Teilnahme des Erzbischofs von Mailand an.

Der Gruppo del Guado ist ein in den 1980er Jahren gegründeter Verein, der homosexuelle Menschen zusammenbringt, die sich als katholisch bekennen, und der Begegnungs-, Reflexions- und Gottesdiensträume für diese Gruppe innerhalb der Kirche fördert.
In seiner Predigt erinnerte Delpini daran, dass Gott jeden Menschen unabhängig von seiner Situation liebt, und zitierte eine Bibelstelle mit den Worten, der Herr habe sein Volk nicht wegen seiner Größe erwählt, sondern aus Liebe: „Der Herr hat sich euch verbunden und euch erwählt, nicht weil ihr das zahlreichste Volk wäret; ihr seid die Kleinsten, aber er liebt euch“.
Die umstrittene T-Shirt-Aktion während der Kommunion
Die Kontroverse verschärfte sich, nachdem ein Teilnehmer Bilder des T-Shirts in sozialen Netzwerken verbreitet hatte, das er zur Feier trug. Darauf war eine Darstellung Jesu in Regenbogenfarben mit der Aufschrift „Ah Men“ zu sehen – ein Wortspiel zwischen dem traditionellen „Amen“ und einem englischen Ausdruck, der die Anziehung zu Männern bezeichnet.
Derselbe Teilnehmer erklärte später auf Instagram, diese Formulierung im Moment des Kommunionempfangs aus den Händen des Erzbischofs ausgesprochen zu haben.
Kritik an der zeitlichen Nähe zum „Pride“
Die Einwände beschränkten sich nicht nur auf den Vorfall während der Kommunion. Verschiedene Stimmen haben die Angemessenheit einer speziell an eine LGBT-Gruppe gerichteten Messe an den Tagen in Frage gestellt, an denen die Stadt die „Pride“-Veranstaltungen ausrichtet.
La Nuova Bussola Quotidiana bezeichnete die Initiative als implizite Unterstützung für Positionen der LGBT-Bewegung und kritisierte insbesondere, dass die Feier mit dem Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu zusammenfiel.