Die deutsche Diözese Aachen hat eine Untersuchungskommission eingesetzt, um die angeblichen Marienerscheinungen offiziell zu prüfen, die seit Anfang der 2000er-Jahre in Sievernich registriert wurden, einem kleinen Ort im Bundesland Nordrhein-Westfalen, etwa 50 Kilometer westlich von Köln. Die Entscheidung steht im Zusammenhang mit den neuen Richtlinien, die vom Dikasterium für die Glaubenslehre zur Bewertung mutmaßlicher übernatürlicher Phänomene verabschiedet wurden.
Wie die katholische Agentur KNA berichtet, hat Bischof Helmut Dieser eine Kommission aus vier Experten berufen, um die Vorgänge zu untersuchen. Den Vorsitz übernimmt Stefan Mückl, Jurist mit Schwerpunkt Kirchenrecht und Kirche-Staat-Beziehungen, der in Rom lehrt und forscht.
Eine Untersuchung nach den neuen vatikanischen Richtlinien
Ein Sprecher der Diözese erläuterte, dass das Verfahren auf den vor zwei Jahren vom Dikasterium für die Glaubenslehre veröffentlichten Normen zur Unterscheidung mutmaßlicher übernatürlicher Phänomene beruht.
Nach Angaben der Diözese bieten diese Bestimmungen nun eine größere rechtliche und seelsorgliche Sicherheit bei der Prüfung von Erscheinungen, Privatoffenbarungen oder anderen angeblich übernatürlichen Phänomenen.
Mit der Einsetzung dieser Kommission eröffnet die Diözese Aachen eine formelle Untersuchungsphase zu den mit Sievernich verbundenen Zeugnissen, einem Ort, der über Jahre hinweg zahlreiche Pilger aus verschiedenen Regionen Deutschlands angezogen hat.
Die angeblichen Erscheinungen begannen Anfang der 2000er-Jahre
Die Ereignisse reichen bis in die Anfänge der 2000er-Jahre zurück, als eine Frau aus der nahe gelegenen Stadt Düren, in den veröffentlichten Berichten als Manuela bezeichnet, behauptete, in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Sievernich, einer Gemeinde mit nur etwa 500 Einwohnern zwischen Köln und Aachen, die Jungfrau Maria gesehen zu haben.
Nach ihren Schilderungen soll die Jungfrau ganz in Weiß gekleidet und mit einem bis zum Boden reichenden Schleier erschienen sein. Unter den diesen angeblichen Erscheinungen zugeschriebenen Botschaften wiederholten sich zwei zentrale Gedanken: der Aufruf zu intensiverem Gebet und die Nähe Marias zu leidenden Menschen.
Hunderte Pilger kamen in den deutschen Ort
Eine Zeit lang sollen die angeblichen Erscheinungen einmal im Monat stattgefunden haben, wie die Seherin selbst gegenüber verschiedenen Medien erklärte. Die Nachricht löste einen zunehmenden Zustrom von Pilgern aus verschiedenen Teilen Deutschlands und aus Nachbarländern aus.
Im Oktober 2002, als die Frau die damals als letzte zuvor angekündigte Erscheinung bezeichnete, kamen mehrere Hundert Menschen nach Sievernich. Der Andrang war so groß, dass nach Angaben regionaler Medien ehrenamtliche Helfer nötig waren, um die Besucher zu organisieren.
Nach dem Ende jener monatlichen Erscheinungen behauptete die Frau, bis 2005 hätten noch unregelmäßige Begegnungen mit der Jungfrau stattgefunden.
Kirchliche Unterscheidung bei Privatoffenbarungen
Die Eröffnung der Untersuchung bedeutet keine Anerkennung der Echtheit durch die Kirche. Wie in solchen Fällen üblich, muss die kirchliche Autorität die Ereignisse, die zugeschriebenen Botschaften, die geistlichen Früchte, das Verhalten der Beteiligten und alle weiteren Elemente prüfen, die helfen können zu klären, ob das Phänomen mit dem katholischen Glauben vereinbar ist.
Die Kirche erinnert daran, dass Privatoffenbarungen, selbst wenn sie offiziell anerkannt werden, nicht zum Glaubensgut gehören und die Gläubigen nicht verpflichten. Ihr möglicher Wert ist stets der öffentlichen Offenbarung untergeordnet, die mit Christus abgeschlossen und durch die Heilige Schrift und die Tradition überliefert wurde.