Papst Leo XIV empfing am Montag den Erzbischof von Wien, Monsignore Josef Grünwidl, in einer privaten Audienz bei seinem ersten offiziellen Besuch im Vatikan, seit er als Nachfolger von Kardinal Christoph Schönborn an der Spitze des österreichischen Erzbistums ernannt wurde.
Wie das Erzbistum Wien der Agentur Kathpress mitteilte, dauerte das private Treffen etwa eine halbe Stunde. Nach dem Gespräch hob Grünwidl die Haltung des Pontifex während des Gesprächs hervor.
„Es war ein sehr gutes Gespräch. Papst Leo ist, wie schon viele vor mir bemerkt haben, ein exzellenter Zuhörer“, sagte der Wiener Erzbischof am Ende der Audienz.
Ein Prälat, der mit der progressiven österreichischen Linie identifiziert wird
Während des Treffens konnte Grünwidl den Papst über die Situation der Kirche in Wien informieren, obwohl das Erzbistum präzisierte, dass der konkrete Inhalt des Gesprächs unter Verschwiegenheit bleibt.
Der Besuch des Erzbischofs erfolgt in einem Kontext, der von den Erwartungen geprägt ist, die um sein kirchliches Profil entstanden sind. Grünwidl wird häufig als Fortsetzer der Linie dargestellt, die über Jahrzehnte von Kardinal Christoph Schönborn vorangetrieben wurde, einer der repräsentativsten Figuren des progressiven mitteleuropäischen Sektors.
Vor seiner Ernennung zum Erzbischof von Wien hatte Grünwidl bereits Erklärungen abgegeben, die für eine Überprüfung von Fragen wie dem obligatorischen Priesterzölibat und einer größeren Beteiligung der Frauen an kirchlichen Verantwortungsstrukturen sprachen.
Besuch am Grab von Franziskus und Treffen in der Kurie
Im Rahmen seines römischen Programms plant Grünwidl, das Grab von Papst Franziskus in der Basilika Santa Maria Maggiore zu besuchen. Er wird auch Treffen mit Verantwortlichen verschiedener vatikanischer Dikasterien abhalten.
Dieses Dienstag setzt er seine Gespräche mit Vertretern der Dikasterien für die Bischöfe und für den Klerus fort, zusätzlich zu Gesprächen im Bildungsbereich.
Der Nachfolger von Schönborn in Wien
Leo XIV ernannte Josef Grünwidl im Oktober 2025 zum Erzbischof von Wien und löste damit Kardinal Christoph Schönborn ab, der nach Erreichen des 80. Lebensjahres in den Ruhestand trat.
Der neue Erzbischof empfing die Bischofsweihe am 24. Januar 2026 in der Stephansdom von Wien.
Vor seiner endgültigen Ernennung hatte Grünwidl das Erzbistum bereits ein Jahr lang als apostolischer Administrator geleitet, der zunächst von Papst Franziskus nach dem Ausscheiden von Schönborn designiert wurde.
Das Erzbistum Wien mit rund einer Million Katholiken gilt als eine der einflussreichsten Bistümer im deutschsprachigen Raum und hat über Jahre eine relevante Rolle in kirchlichen Debatten zu pastoralen und disziplinären Reformen innerhalb der europäischen Kirche gespielt.