Die kürzliche Ernennung von Heiner Wilmer zur Diözese Münster hebt erneut eine gängige Praxis in Deutschland hervor: die Ernennung von Bischöfen mit vorheriger Erfahrung in anderen Diözesen, in einem Kontext, der von der Abnahme der verfügbaren Priester geprägt ist.
Wie Katholisch.de berichtet, ist diese Dynamik nicht neu. In den großen deutschen Diözesen ist es üblich, auf Bischöfe zurückzugreifen, die bereits in kleineren Bistümern gedient haben. Jüngste Beispiele umfassen den Erzbischof von München, Reinhard Marx, der zuvor Bischof von Trier war, oder den Erzbischof von Köln, Rainer Maria Woelki, der aus Berlin kam.
Eine etablierte Praxis im kanonischen Recht
Die Versetzung von Bischöfen von einer Diözese zur anderen, die in den ersten Jahrhunderten des Christentums verboten war, hat sich zu einer gewöhnlichen Praxis in der Kirche entwickelt. Der aktuelle Codex des kanonischen Rechts regelt dieses Verfahren und legt unter anderem fest, dass der Bischof seine neue Diözese innerhalb einer bestimmten Frist in Besitz nehmen muss, nach der sein vorheriger Sitz vakant wird.
Während der Übergangszeit behält der Bischof begrenzte Funktionen in seiner alten Diözese bei, ähnlich denen eines Diözesanadministrators, ohne wesentliche Veränderungen in ihrer Verwaltung vornehmen zu können.
Ein Problem, das über die Ernennungen hinausgeht
Jenseits der Praxis der Versetzungen liegt im Hintergrund die fortschreitende Reduktion der Zahl der Priester in Deutschland. Im Jahr 2024 wurden landesweit nur 25 neue Priester geweiht, was erstmals einen Durchschnitt von weniger als einem pro Diözese bedeutet.
Diese Abnahme betrifft nicht nur die seelsorgerische Versorgung immer größerer Pfarreien, sondern auch die Zahl der verfügbaren Kandidaten für das Bischofsamt.
Ein priesterliches Profil, das weniger auf Verwaltung ausgerichtet ist
Zu dieser quantitativen Einschränkung kommt eine Veränderung im Profil der neuen Priester hinzu. Laut einer Studie des Pastoralen Forschungszentrums der Universität Bochum sehen sich viele der in den letzten Jahren geweihten Priester nicht als organisatorische Führer.
„Viele wollen Hirten sein, aber keine Chefs oder Manager“, heißt es im Bericht, der eine gewisse Distanz zwischen den Berufungs动机 und den administrativen Anforderungen der aktuellen kirchlichen Strukturen hervorhebt.
Ein bischöflicher Wechsel in Aussicht
Die Situation wird durch demografische Faktoren noch komplizierter. In den kommenden Jahren werden mehrere Bischöfe das Rentenalter erreichen, was die Besetzung zahlreicher Bischofssitze in einem Kontext begrenzter personeller Ressourcen erfordert.
Trotz einiger in anderen Ländern adoptierter Lösungen —wie der Vereinigung von Diözesen unter einem Bischof— scheint diese Option in Deutschland aufgrund der territorialen Ausdehnung und der Zahl der Gläubigen nicht machbar.
Ein Horizont geprägt von Knappheit
Derzeit sind zwei deutsche Diözesen vakant, und es wird eine neue Welle von Ersatzernennungen in den kommenden Jahren erwartet. Die Kombination aus Rückgang der Berufungen, Alterung des Klerus und Zunahme der pastoralen Verantwortungen zeichnet ein Szenario, in dem die Wahl von Bischöfen immer komplexer wird.
In diesem Kontext steht die Kirche in Deutschland vor der Herausforderung, den Wechsel in der Verwaltung der Diözesen in einem Umfeld zunehmender Knappheit an Kandidaten zu gewährleisten.