Zehn Jahre nach der Veröffentlichung von Amoris laetitia hat der österreichische Kardinal Christoph Schönborn erneut das kontroverse Dokument von Franziskus verteidigt, indem er Vorwürfe einer doktrinären Bruch ablehnt und seinen pastoralen Wert betont.
Laut Kath Press hält der Purpurat – der den Text 2016 im Vatikan vorstellte – fest, dass das Dokument die Lehre der Kirche nicht verändert hat, sondern einen aufmerksamen Blick auf die konkreten Situationen der Familien einführt.
Schönborn leugnet eine doktrinäre Veränderung
Der österreichische Kardinal war explizit in der Ablehnung einer der Hauptcritic am Dokument: „Wir brauchen keine neue Lehre der Kirche. Diese ist klar und basiert auf der Lehre Jesu“, betonte er.
Zu seiner Ansicht relativiert Amoris laetitia die Lehre über die Ehe nicht und führt keine unbeschränkte Öffnung für die Sakramente ein, sondern fordert ein größeres pastorales Unterscheidungsvermögen durch die Priester.
Die Kontroverse um die Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete
Einer der am meisten diskutierten Punkte des Textes war die Möglichkeit, in bestimmten Fällen den Zugang zur Beichte und zur Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete.
Schönborn insistierte darauf, dass diese Frage nicht als allgemeine Norm oder als Bruch mit der Tradition verstanden werden kann, sondern als Aufruf zu einer tieferen Analyse jeder Situation: „Es ist notwendig, genauer hinzuschauen und zu unterscheiden, mit echter Sensibilität für jeden konkreten Fall“.
Der Kardinal betonte außerdem, dass das Dokument nicht von einer einzelnen Note aus gelesen werden sollte, sondern als Ganzes, um es nicht auf eine disziplinäre Frage zu reduzieren.
Continuität mit Johannes Paul II.
Gegenüber denen, die in Amoris laetitia einen Bruch mit Familiaris consortio sehen, verteidigte Schönborn die Kontinuität zwischen beiden Texten.
Wie er erklärte, legte Johannes Paul II. den Akzent auf die Grundlagen – die Unauflöslichkeit der Ehe und ihren heiligen Charakter –, während Franziskus die realen Situationen beleuchten wollte, in denen viele Familien leben.
In diesem Sinne betonte er, dass das Dokument von 2016 als Schlüssel dienen kann, um den vorherigen aus einer pastoraleren Perspektive neu zu lesen.
Ein Ansatz, der auf die Realität der Familien fokussiert
Schönborn hob besonders die Passagen hervor, in denen Franziskus die Priester auffordert, sich auf Familien in schwierigen Situationen zu konzentrieren.
Wie er betonte, kann sich die Kirche nicht darauf beschränken, abstrakte Kriterien anzuwenden, sondern muss den Aufwand anerkennen, den diejenigen leisten, die ein Familienleben unter komplexen Bedingungen aufrechterhalten wollen.
Der Kardinal insistierte darauf, dass das Dokument einen Weg des Unterscheidens und der Begleitung vorschlägt, anstatt einer einfachen normativen Antwort auf irreguläre Situationen.
Zehn Jahre später, eine Debatte, die andauert
Ein Jahrzehnt nach seiner Veröffentlichung bleibt Amoris laetitia eines der am meisten debattierten Texte des Pontifikats von Franziskus.
Die Worte von Schönborn verdeutlichen die Position derer, die im Dokument eine pastorale Entwicklung ohne doktrinären Bruch sehen, obwohl die Diskussion über seine Interpretation und Anwendung in der Kirche weiterhin offen ist.