Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) hat offen eine Frage an den Heiligen Stuhl gerichtet: Wenn Rom ein Abkommen mit China in Bezug auf Bischofsernennungen eingegangen ist, warum dann die Konsakrationen, die die Bruderschaft für den 1. Juli ohne päpstliches Mandat plant, als inakzeptabel betrachtet?
Wie FSSPX News berichtet, fragen sich viele Gläubige, wie ein strenges Kriterium auf die Bruderschaft angewendet werden kann, während der Heilige Stuhl im chinesischen Fall auf Dialog und Verhandlungen gesetzt hat, trotz der direkten Einmischung des Staates in das Leben der Kirche.
Der Kontext des Abkommens mit Peking
Seit 2018 unterhält der Vatikan ein vorläufiges Abkommen mit der chinesischen Regierung über die Ernennung von Bischöfen, das später bis 2028 verlängert wurde. Obwohl die Details des Pakts nicht vollständig öffentlich gemacht wurden, gilt es als eine relevante Beteiligung der chinesischen Behörden am Prozess.
Die Bruderschaft erinnert daran, dass die Kommunistische Partei Chinas, offiziell atheistisch, eine strenge Kontrolle über die religiöse Praxis im Land ausübt. Trotzdem hat Rom den Weg des Dialogs verteidigt und auf die Notwendigkeit hingewiesen, eine totale Bruch zu vermeiden und so viel wie möglich vom katholischen Leben in einer komplexen Umgebung zu erhalten.
Die Rechtfertigung der Bruderschaft
Ausgehend von diesem Präzedenzfall hält die FSSPX fest, dass ihre Absicht nicht darin besteht, eine parallele Hierarchie zu schaffen oder die Autorität des Papstes herauszufordern, sondern die sakramentale Kontinuität und die Ausbildung von Priestern gemäß der doktrinären und liturgischen Tradition zu sichern, die sie als essenziell betrachtet.
In diesem Sinne stellt sie die geplanten Konsakrationen als außergewöhnliche Maßnahme dar angesichts dessen, was sie als tiefe Krise in der Kirche beschreibt. Zu ihrem Urteil sollte das oberste Prinzip des Kirchenrechts – die Heils der Seelen – auch die Bewertung ihrer konkreten Situation leiten.
Ein grundsätzlicher Debattenpunkt
Jenseits der disziplinären Dimension rahmt die Bruderschaft die Angelegenheit in eine breitere Debatte über die Interpretation der aktuellen kirchlichen Situation ein. Nach ihrer Auffassung, wenn die Schwere der Krise anerkannt wird, könnten bestimmte außergewöhnliche Maßnahmen als angemessen verstanden werden; wenn hingegen diese Krise minimiert wird, erscheinen solche Maßnahmen inakzeptabel.
Der Heilige Stuhl hat seinerseits wiederholt betont, dass die Ordination von Bischöfen ohne päpstliches Mandat eine schwere Bruch der kirchlichen Gemeinschaft bedeuten würde. Mit dem nahenden Juli rückt nun der Fokus auf die Entscheidung, die die Bruderschaft trifft, und auf die mögliche Reaktion Roms auf einen eventuellen Schritt nach vorn.