Wenn die Zeit der Septuagesima lehrte, einzutreten – den inneren Klimawandel vorzunehmen –, geht der Sonntag der Sexagesima einen Schritt weiter: Er stellt uns vor das reale Drama des Hörens. Es geht nicht mehr nur darum, sich auf die Fastenzeit vorzubereiten, sondern ernsthaft zu fragen, ob das Wort Gottes in uns bewohnbaren Boden findet.
Die römische Liturgie, treu ihrer langsamen und weisen Pädagogik, schreitet ohne Eile voran. Nichts wird überstürzt. Das Alleluja bleibt abwesend. Das Gloria bleibt stumm. Die violette Farbe droht nicht: Sie warnt. Die Kirche tadelt nicht; sie befragt.
Das Evangelium bringt uns eine entscheidende Parabel. Das Zentrum des Sonntags der Sexagesima ist die Parabel vom Sämann. Hier gibt es keinen Moralismus und keine oberflächliche Psychologie. Der Text verweilt nicht beim Sämann, der großzügig, aus der Hand, sät, sondern bei den Böden. Die Frage ist: Welche Art von Boden bin ich? Das Wort Gottes stellt uns vor vier reale Möglichkeiten: Oberflächlichkeit, Zerstreuung, Erstickung durch die Sorgen oder Fruchtbarkeit. Es handelt sich nicht um abstrakte Kategorien, sondern um Seelenzustände. Bevor sie Bekehrung fordert, lädt die Kirche mich ein, um ein Leben in Wahrheit zu bitten. Bevor sie fastet, ermahnt sie zum Examen. Bevor der asketische Einsatz kommt, erfordert es offenes und empfängliches Hören des Verbum Domini. Deshalb wird diese Parabel vor der Fastenzeit verkündet: Wenn das Wort nicht Wurzeln schlägt, bringt keine Buße Frucht.
In der Epistel – Zweiter Brief an die Korinther – zählt der heilige Paulus Mühen, Gefahren, schlaflose Nächte, Verfolgungen, Hunger, Kälte auf. Es gibt keinen Romantizismus, sondern apostolisches Realismus: Der Apostel zeigt, dass das Wort nicht nur gehört wird; es wird bezahlt; dass Fruchtbringen Abnutzung bedeutet; dass geistliche Fruchtbarkeit nicht mit einem bequemen und vor jeder Berührung geschützten Leben vereinbar ist. Dass, wie die Heilige sagte, „Gebet und Vergnügen sich nicht vertragen“
So verknüpft die Liturgie meisterhaft das Evangelium und die Epistel: Der Same, der auf guten Boden fällt, ist derselbe, der den Apostel inmitten der Prüfung trägt. Wo das Wort Wurzeln schlägt, gibt es Widerstandsfähigkeit, Ausdauer und Frucht.
Die anderen liturgischen Texte – Kollekte, Sekrete, Kommuniongebet – beharren auf demselben Ton: vertrauensvoller Zerbrechlichkeit. Es wird nicht geistlicher Erfolg erbeten, sondern Schutz; man prahlt nicht mit Kräften: Man fleht um Hilfe, mit einem demütigen Gebet. Die Kirche betet wie jemand, der weiß, dass der Boden verhärten kann, dass die Dornen von allein wachsen, dass der Vogel den Samen leicht stiehlt. Deshalb bittet sie darum, bewacht, verteidigt, gestützt zu werden.
Die Liturgie bereitet uns vor, ohne uns zu täuschen: Sexagesima ist noch nicht Fastenzeit, aber sie erlaubt keine Ablenkungen mehr. Es ist ein Sonntag der geistlichen Klarheit: Er lehrt uns, dass vor dem Wort Gottes, das immer lebendig und wirksam ist, die Bereitschaft des Herzens geboten ist.
Heute, wo so viel von Beteiligung die Rede ist, sagt Sexagesima uns, dass es keine wahre Beteiligung ohne Innerlichkeit gibt, keinen Frucht ohne Stille, keine Ostern ohne gehorsames Hören. Dieser Sonntag appelliert nicht an religiöse Emotionen, sondern an eine entscheidende Frage: Was geschieht mit dem Wort Gottes in mir?