Die ACCEM (Asociación Comisión Católica Española de Migración) hat sich als einer der Hauptbetreiber des öffentlichen Systems zur Aufnahme von Immigranten und Asylbewerbern in Spanien etabliert. Ihre wirtschaftliche und operative Dimension ist unbestritten. Laut dem Jahresbericht 2024, der von der Organisation selbst veröffentlicht wurde, meldete ACCEM vorläufige Gesamteinnahmen von 225.118.355,31 Euro, von denen 88,16 % aus dem allgemeinen Staatshaushalt stammten, zu denen regionale, lokale und europäische Mittel hinzukommen. Es handelt sich also um Hunderte von Millionen Euro an öffentlicher Finanzierung, die in einem einzigen Geschäftsjahr verwaltet werden.
Tausende von Mitarbeitern, Tausende von Plätzen, Zehntausende von Begünstigten
Dieses Budgetvolumen spiegelt sich in einer großangelegten Struktur wider. Im selben Unternehmensbericht gibt ACCEM an, über 3.839 Beschäftigte und 770 Freiwillige zu verfügen, zusätzlich zu der Verwaltung von 9.812 Aufnahmekapazitäten im Laufe des Jahres 2024. In diesem Zeitraum gibt die Organisation an, 42.757 Personen in ihren verschiedenen Programmen und Einrichtungen betreut zu haben. Diese Zahlen positionieren ACCEM nicht als eine symbolische NGO, sondern als einen strukturellen Akteur der Migrationspolitik, die mit öffentlichen Mitteln umgesetzt wird, mit realer Fähigkeit, ihre praktische Ausrichtung zu beeinflussen.
Der Kern der inneren Macht: die Generalversammlung
Wie in jeder Vereinigung ist das oberste Organ von ACCEM nicht die technische Leitung oder sogar der Vorstand, sondern die Generalversammlung, die für die Festlegung der strategischen Linien und die Wahl derer verantwortlich ist, die die Organisation leiten. Der Vorstand ist bekannt: Er erscheint in öffentlichen Organigrammen und Jahresberichten. An seiner Spitze steht Pilar Samanes Ara, Präsidentin von ACCEM, die in offenen Quellen als religiöse Schwester der Kongregation der Schwestern der Nächstenliebe von Santa Ana identifiziert wird. Neben ihr werden Positionen wie der Vizepräsident José Antonio Arzoz Martínez oder der Ehrenpräsident Pedro Puente Fernández in verschiedenen öffentlichen Biografien als Priester mit einer langen pastoralen Laufbahn dargestellt, insbesondere im sozialen und migrationsbezogenen Bereich.
Dieses kirchliche Profil an der Spitze ist weder illegal noch geheim und passt zum historischen Ursprung von ACCEM als Spanische Katholische Migrationskommission, die im Umfeld der spanischen Kirche entstanden ist. Das Problem ist nicht, wer leitet, sondern wer diese Leitung legitimiert.
Die E-Mail, die nie eine Antwort erhielt
Mit dem Ziel, diese grundlegende Frage der Governance zu klären, sandte Infovaticana am 5. September 2025 eine formelle E-Mail an ACCEM, in der allgemeine – nicht persönliche oder geschützte – Informationen über die Generalversammlung angefordert wurden. In dieser Nachricht wurde nach der Anzahl der stimmberechtigten Mitglieder gefragt, ob es sich um natürliche oder juristische Personen handelt und wie häufig neue Versammlungsmitglieder aufgenommen werden. Das Medium betonte ausdrücklich, dass es die Einschränkungen des Datenschutzes verstehe und die Anfrage aus dem Kriterium der Transparenz und demokratischen Kontrolle erfolge.
Bis zum Veröffentlichungsdatum dieses Artikels hat ACCEM nicht auf diese E-Mail geantwortet.
Eine Undurchsichtigkeit, die über das Schweigen hinausgeht
Das Ausbleiben einer Antwort ist nicht das einzige Auffällige. In offenen Quellen gibt es keine öffentliche Einberufung der Generalversammlung von ACCEM, weder vorherige Ankündigungen, noch nachfolgende Mitteilungen, Chroniken, Protokolle oder informative Hinweise auf die Abhaltung dieses Organs. Es gibt keine Pressemitteilungen, keine Einträge auf der Unternehmenswebsite und keine Erwähnungen in Jahresberichten, die Daten, Vereinbarungen oder Debatten der Versammlung detaillieren.
Der Kontrast ist evident: Es ist einfach, öffentliche Informationen über Versammlungen von Nachbarschafts-, kulturellen oder lokalen Vereinen zu finden, mit minimalen Budgets und begrenztem lokalem Einfluss. In diesen Fällen werden in der Regel Einladungen, Tagesordnungen oder zumindest Berichte über die getroffenen Vereinbarungen veröffentlicht. Im Gegensatz dazu gibt es im Fall von ACCEM – einem Verein, der mehr als 225 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln jährlich verwaltet – keinen zugänglichen Hinweis auf sein oberstes Regierungsorgan.
Öffentliches Geld, privater Kontrolle
Die von Infovaticana angeforderten Informationen betrafen die Privatsphäre niemandes. Zu wissen, ob die Versammlung aus Dutzenden, Hundert oder einer sehr kleinen Gruppe von Mitgliedern besteht oder ob sie aus natürlichen Personen oder juristischen Einheiten besteht, ist eine essenzielle strukturelle Information, um den Grad an Pluralismus, Offenheit und innerer Kontrolle einer Organisation zu bewerten, die hauptsächlich mit öffentlichen Geldern finanziert wird.
Der Mangel an Transparenz in diesem Punkt verhindert es, zu erfahren, ob die strategische Ausrichtung von ACCEM einem breiten und repräsentativen Organ entspricht oder einem geschlossenen und wenig erneuerten Kern, der in der Lage ist, bestimmte ideologische und operative Linien ohne sichtbaren inneren Ausgleich zu perpetuieren.
Kirche, Migration und Kohärenz des Ökosystems
Dieses Transparenzdefizit gewinnt im Kontext der Migrationsdebatte an größerer Relevanz. Die katholische Kirche in Spanien verfolgt seit Jahren eine klare pastorale Botschaft, die auf Aufnahme, Integration und weitreichende Regularisierung der Einwanderung ausgerichtet ist, mit geringem Schwerpunkt auf Rückführung oder den strukturellen Grenzen der Aufnahmeländer. ACCEM, mit anerkannten kirchlichen Wurzeln und einer Führungsebene, die aus religiösen Profilen besteht, agiert als materieller Verwalter öffentlicher Programme zur Aufnahme und Integration, die vom Staat finanziert werden.
Es geht nicht darum, eine direkte kausale Beziehung zu behaupten oder die Legalität dieser Aktivität in Frage zu stellen, sondern eine Kohärenz des Ökosystems zwischen moralischem Diskurs, organisatorischer Struktur und Umsetzung öffentlicher Politiken aufzuzeigen. Wenn dieses Ökosystem auf einer unsichtbaren Generalversammlung basiert, wird die Frage nicht mehr ideologisch, sondern institutionell.
Eine ausstehende demokratische Forderung
ACCEM veröffentlicht wirtschaftliche Berichte und Organigramme, erlaubt es aber nicht einmal in allgemeinen Begriffen zu erfahren, wer die Versammlung bildet, die ihren Vorstand wählt. In einem Kontext höchster sozialer, migrationsbezogener und budgetärer Sensibilität kann diese Undurchsichtigkeit nicht als neutral betrachtet werden.
Transparenz besteht nicht nur darin, Zahlen zu prüfen, sondern der Gesellschaft zu ermöglichen, die inneren Machtstrukturen derer kennenzulernen, die öffentliche Mittel verwalten. Solange ACCEM nicht auf eine so elementare Frage wie die Zusammensetzung seiner Generalversammlung antwortet, bleibt eine legitime Zweifel offen: Wenn das Geld öffentlich ist, warum bleibt die innere Kontrolle im Dunkeln?
