Die kürzliche Präsentation des IX. Berichts FOESSA durch Cáritas an Sánchez ist kein geringfügiges Ereignis. Nicht nur wegen des Inhalts des Berichts —der mit Daten eine sozial zerrissene Spanien beschreibt—, sondern wegen der politischen Geste, die damit einhergeht: ein Foto, eine Rede und ein privilegierter Dialog mit einer Exekutive, deren direkte Verantwortung für viele dieser Risse schwer zu ignorieren ist.
Dass Cáritas Armut, Ausgrenzung und strukturelle Schwierigkeiten weiträumiger Bevölkerungsschichten analysiert, gehört zu ihrer historischen Mission. Niemand bestreitet den Wert der Diagnose noch die Arbeit Tausender Freiwilliger, die im Stillen die Schwächsten stützen. Das Problem beginnt, wenn die Anklage durch eine Sprache ersetzt wird, die Politik legitimiert zu scheinen, die genau zu den beschriebenen Übeln beigetragen haben.
Der Bericht erkennt makroökonomische Verbesserungen und Fortschritte wie das Ingreso Mínimo Vital an, umgeht aber eine wesentliche Frage: Warum, nach Jahren der Ausweitung des öffentlichen Ausgaben und sozialer Ingenieurskunst, betrifft die Ausgrenzung weiterhin Millionen von Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche? Warum ist Wohnraum heute unzugänglicher denn je? Warum wird die Prekarität chronisch? Die Symptome zu benennen, ohne die Ursachen ernsthaft zu hinterfragen, bedeutet, auf halbem Weg stehenzubleiben.
Besonders besorgniserregend ist die Beharrlichkeit auf eine massive Regularisierung von Immigranten, die als fast automatische Lösung dargestellt wird. Die außergewöhnliche Regularisierung zum moralischen Kern der Rede zu machen, ignoriert nicht nur ihre wirtschaftlichen und sozialen Effekte —Druck nach unten auf Löhne, größere Prekarität, Spannungen in den öffentlichen Diensten, Zunahme der Unsicherheit—, sondern verwischt auch das Konzept der christlichen Nächstenliebe selbst. Nächstenliebe besteht nicht darin, Politik zu unterstützen, die das Zusammenleben stört, noch darin, Entscheidungen als unvermeidbar hinzunehmen, die dem Gemeinwohl schwer schaden.
Die soziale Lehre der Kirche spricht von menschlicher Würde, ja, aber auch von Gerechtigkeit, Subsidiarität, politischer Verantwortung und Primat des Gemeinwohls. Die Armen zu verteidigen impliziert nicht, sich einem spezifischen ideologischen Projekt anzuschließen oder zur Übertragungsschnur einer Regierung zu werden. Wenn kirchliches Handeln als gefällig gegenüber der Macht wahrgenommen wird, verliert es moralische Autorität und prophetische Glaubwürdigkeit.
Spanien braucht tiefe Antworten, keine Parolen. Es braucht starke Familien, würdige Arbeit, effektive Grenzkontrolle, eine realistische Wohnpolitik und eine Wirtschaft, die nicht auf Prekarisierung oder dauerhafte Abhängigkeit vom Staat aufbaut. Und es braucht vor allem eine Kirche, die die Armen begleitet, ohne sich mit denen zu verwechseln, die schlecht regieren.
Christliche Nächstenliebe kann nicht von Gerechtigkeit oder dem Gemeinwohl getrennt werden. Richtet euch nach den Früchten.
