Am Vorabend des außerordentlichen Konsistoriums, das Papst Leo XIV für den 7. und 8. Januar einberufen hat, bei dem die Liturgie explizit unter den Tagesordnungspunkten steht, hat ein französischer Priester einen Brief an zahlreiche Kardinäle des Kardinalskollegiums gerichtet und einen institutionellen Weg für die Zukunft des traditionellen römischen Ritus in der Kirche vorgeschlagen.
Der Autor des Textes ist Pater Louis-Marie de Blignières, Gründer der Fraternität Sankt Vincent Ferrer, einer in Frankreich entstandenen Priestergemeinschaft, die in voller Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl steht. Der Brief, datiert auf den 24. Dezember, wurde in gedruckter Kopie an fünfzehn Kardinäle und elektronisch an etwa hundert weitere versandt. Das Dokument wurde ausschließlich auf Französisch verbreitet und ins Englische von der Journalistin Diane Montagna übersetzt.
Der Brief stellt sich als Arbeitsvorschlag an die Kardinäle dar, nicht als Forderung oder direkte Bitte an den Papst, mit dem Ziel, vor dem Konsistorium einen ruhigen Dialog zu eröffnen.
Eine Referenzfigur im traditionellen Bereich
Pater de Blignières, 76 Jahre alt, ist eine historische Figur mit Gewicht in der traditionalistischen Welt. Nach den illiciten Bischofsweihen durch Monsignore Marcel Lefebvre im Jahr 1988 nahm er am Dialog mit dem heiligen Johannes Paul II teil, der zur Gründung der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei führte, die der Versöhnung von Gemeinschaften, die mit der Liturgie vor der postkonziliaren Reform verbunden sind, dienen sollte.
Gegründet 1979, stand die Fraternität Sankt Vincent Ferrer über drei Jahrzehnte unter seiner Priorenschaft, in zwei verschiedenen Phasen, bis 2011 und erneut zwischen 2017 und 2023. Ihre Laufbahn hat ihr umfassende pastorale und institutionelle Erfahrung im Bereich der traditionellen Liturgie verliehen.
Der Vorschlag: eine persönliche kirchliche Jurisdiktion
Der Vorschlag besteht in der Schaffung einer spezifischen persönlichen kirchlichen Jurisdiktion für den alten römischen Ritus (vetus ordo). Wie der Autor erklärt, würde diese Struktur einen stabilen kanonischen Rahmen für Priester und Gläubige bieten, die mit der traditionellen Liturgie verbunden sind, und gleichzeitig die Autorität des Heiligen Stuhls und der Diözesanbischöfe respektieren.
Die vorgeschlagene Jurisdiktion hätte keinen territorialen Charakter, sondern einen persönlichen, und könnte bestehende kanonische Formen in der Kirche übernehmen, wie eine persönliche Apostolische Administration oder ein Ordinarlat, inspiriert vom Modell der Militäroperationen.
Antwort auf die pastorale Blockade nach Traditionis custodes
Der Hintergrund der Initiative ist die Situation, die nach der Veröffentlichung des Motu proprio Traditionis custodes im Jahr 2021 entstanden ist. Laut de Blignières hat die ungleichmäßige Anwendung seiner Bestimmungen rechtliche Unsicherheit, wiederkehrende Spannungen und pastorale Konflikte in verschiedenen Diözesen erzeugt.
Die Schaffung einer persönlichen Jurisdiktion würde seiner Meinung nach pastorale Stabilität gewährleisten, Kontinuität für bestehende Gemeinschaften bieten und verhindern, dass das liturgische Leben von prekären Genehmigungen oder wechselnden Entscheidungen abhängt.
Präzedenzfälle und Zweck
Der Brief erinnert daran, dass die Kirche in anderen Fällen spezifische kanonische Strukturen genutzt hat, um die Einheit zu wahren und legitime Vielfalt zu respektieren. Unter den genannten Präzedenzfällen steht die persönliche Apostolische Administration Sankt Johannes Maria Vianney, errichtet 2002 in der brasilianischen Diözese Campos, sowie das Funktionieren der Militäroperationen.
Der Text schließt mit der Betonung, dass der Vorschlag keine einzigartige Lösung aufzwingen oder eine liturgische Kontroverse neu eröffnen will, sondern einen möglichen institutionellen Weg bietet, um Spannungen zu reduzieren und ein friedliches Zusammenleben innerhalb der Kirche zu fördern.
