Das Lemkin-Institut für die Prävention von Völkermord hat vor einer zunehmenden staatlichen Repression gegen die Armenisch-Apostolische Kirche gewarnt und verurteilt Festnahmen, Einschüchterungen sowie die Nutzung des Justizsystems, um ihr religiöses Führungspersonal zum Schweigen zu bringen. Die Warnung erfolgte in einer öffentlichen Erklärung vom 28. Dezember 2025.
Laut dem Institut stellen diese Maßnahmen eine Bedrohung für die demokratischen Institutionen des Landes dar und betreffen direkt einen der historischen Pfeiler der armenischen Identität.
Der Fall des Erzbischofs Ajapahyan
Die Anklage erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen zwischen der armenischen Regierung und der Kirche. Einer der jüngsten Vorfälle ist die Situation des Erzbischofs Mikayel Ajapahyan, Primat der Diözese Shirak, der seit Juni 2025 als politischer Gefangener festgehalten wird, nachdem er zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde wegen angeblicher kritischer Äußerungen gegen die Exekutive.
Am vergangenen 26. Dezember wurde der Erzbischof im Izmirlian Medical Center einer Operation unterzogen. Am nächsten Tag, dem 27. Dezember, besuchte ihn Seine Heiligkeit Karekin II, Oberster Patriarch und Katholikos aller Armenier. Das Krankenhaus teilte mit, dass sein Zustand zufriedenstellend ist und er weiterhin unter medizinischer Aufsicht steht.
Festnahmen und gerichtlicher Druck auf den Klerus
Das Lemkin-Institut verurteilt, dass die Verfolgung der religiösen Hierarchie historische Muster der Zerstörung der Identität reproduziert und erinnert daran, dass Völkermord sich nicht nur durch physische Gewalt äußert, sondern auch durch kulturelle und spirituelle Erosion.
Seit Mitte 2025 haben die armenischen Behörden mehrere Bischöfe und Priester festgenommen und sie der politischen Einmischung und Korruption beschuldigt. Darunter befinden sich die Festnahme des Bischofs Mkrtich Proshyan im Oktober und des Erzbischofs Arshak Khachatryan am 4. Dezember. Kirchenvertreter und Teile der Opposition haben diese Verfahren als politisch motiviert bezeichnet.
Maßnahmen gegen kirchliche Institutionen
Die Erklärung kritisiert auch den Rückzug des Fernsehsenders Shoghakat, der historisch mit der Armenisch-Apostolischen Kirche verbunden ist, aus dem nationalen Digitalpaket. Das Institut betrachtet diese Entscheidung, die von der Regierung als technische Anpassung dargestellt wird, als selektiv gegen die Hauptmedienplattform der Kirche gerichtet und wirft Zweifel am Respekt vor Pluralismus und Religionsfreiheit auf.
Aufruf an die Behörden und die internationale Gemeinschaft
Schließlich fordert das Lemkin-Institut die armenische Regierung auf, sofort mit den Maßnahmen gegen den Klerus aufzuhören, die Trennung von Kirche und Staat zu respektieren und die Religionsfreiheit zu gewährleisten. Es appelliert zudem an internationale Beobachter und Menschenrechtsorganisationen, die Entwicklungen genau zu verfolgen, und warnt vor historischen Parallelen, die nicht ignoriert werden dürfen.
