Der Vatikan veröffentlichte am 9. Oktober die erste apostolische Ermahnung von Papst Leo XIV, betitelt Dilexi te. Es handelt sich um einen Text, den der Pontifex als Fortsetzung eines Projekts darstellt, das von seinem Vorgänger Franziskus initiiert wurde und das er nun mit seinem eigenen Siegel übernimmt. Die Ermahnung, die in mehreren Sprachen verbreitet und offiziell von der Pressestelle des Heiligen Stuhls präsentiert wurde, konzentriert sich auf ein fundamentales Thema des Evangeliums: die Liebe zu den Armen als konkrete Ausdrucksform des Gebots Christi.
Von den ersten Seiten an betont Leo XIV, dass die Aufmerksamkeit für die Armen nicht auf philanthropische Gesten reduziert werden kann, sondern ein wahres Sakrament der Gegenwart des Herrn darstellt. Es handelt sich nicht um eine optionale Ergänzung zum christlichen Weg, sondern um eine wesentliche Achse der Mission der Kirche. Der Papst erklärt, dass das Treffen mit den Leidenden, in welcher Form von Armut auch immer – materiell, kulturell, spirituell oder sozial –, den Gläubigen verwandelt und ihn zu einem Lebensstil aufruft, der mit dem Glauben übereinstimmt.
Die Zentralität der Liebe und die Anklage der Ungerechtigkeit
Der Text durchläuft die biblischen und patristischen Wurzeln dieser Tradition und erinnert daran, wie die Kirchenväter und Heiligen, von Augustinus bis Johannes Chrysostomus, darauf beharrten, dass die Armen ein Schatz der Kirche und die lebendige Gegenwart Christi sind. Der Papst weist auch darauf hin, dass ungerechte Strukturen und Ideologien, die Ungleichheiten perpetuieren, Hindernisse für das Leben des Liebesgebots darstellen. In diesem Sinne beschränkt sich die Ermahnung nicht auf eine intime spirituelle Ebene, sondern erhebt einen Aufruf zur sozialen Transformation und erinnert daran, dass der christliche Glaube nicht von der Gerechtigkeit geschieden werden kann.
Der Stil des Dokuments ist ermahnend und pastoral. Leo XIV lädt die Kirche ein, ständig zur Quelle des Evangeliums zurückzukehren, wo die Liebe zum Armen und die Erfahrung der Gnade untrennbar verbunden sind. Der Pontifex warnt, dass es sich nicht darum handelt, zwischen spiritueller Nächstenliebe oder sozialem Handeln zu wählen, sondern zu erkennen, dass beide Dimensionen sich gegenseitig beleuchten.
Die Sprache und die Quellen
Eine Untersuchung des Textes auf Spanisch ermöglicht es, die Akzente des neuen Papstes zu identifizieren. Das Wort „Arme“ ist das am häufigsten wiederholte, gefolgt von „Liebe“, „Nächstenliebe“ und „Christus“. Diese Begriffe spiegeln die Absicht wider, das gesamte Dokument in einer Theologie zu verankern, die das Nachfolgen Jesu mit dem konkreten Dienst an den Leidenden verbindet. Auch Verben der Handlung wie „aufnehmen“, „zuhören“ und „dienen“ erscheinen häufig und verstärken den ermahnenden Ton der Schrift.
Was die Quellen betrifft, dominieren klar die Heiligen Schriften und die Kirchenväter. Leo XIV zitiert das Alte Testament, die Evangelien und die paulinischen Briefe sowie das Lehramt von Heiligen wie Ambrosius, Cyprian oder Laurentius. Im Vergleich zu anderen kürzlich erschienenen Dokumenten, die sich oft auf soziale Analysen oder technische Daten stützten, baut diese Ermahnung fast ausschließlich auf theologischen und patristischen Grundlagen auf, was ihr einen klassischeren Stempel verleiht.
Ein Stil, der ein Pontifikat prägt
Dilexi te erscheint als der erste programmatische Text von Leo XIV und bietet Hinweise auf den Kurs seines Pontifikats. Obwohl er das Erbe von Franziskus aufnimmt, deutet der Akzent auf die Kontinuität mit der biblischen und patristischen Tradition auf einen Versuch hin, den sozialen Diskurs in einem soliden doktrinären Rahmen zu verankern. Der Papst schlägt letztlich vor, dass die Liebe zum Armen nicht zu einem Thema der Konjunktur oder soziologischen Sensibilität werden solle, sondern zu einem Kriterium christlicher Authentizität, das untrennbar mit dem Evangelium verbunden ist.
Sie können den vollständigen apostolischen Ermahnungstext hier einsehen